Deutschland u21 steht in athen am abgrund – nur ein sieg gegen griechenland rettet das em-ticket
Das Apostolos-Nikolaidis-Stadion wird am Dienstagabend kochen. 16.000 griechische Kettenhunde werden toben, wenn Deutschlands U21 aufläuft – mit dem Messer auf der Kehle. Drei Punkte Rückstand, ein Hinspiel-Debakel, ein Krankenlager im Tor: Alles oder nichts, das ist kein Motto, sondern Mathematik.
Di salvo schickt seine jungen ins feuer
Antonio Di Salvo spricht nicht von „Druck“, er nennt es „Rendezvous mit der Wahrheit“. Seit Oktober nagt die 2:3-Pleite in Jena an seinem Team. Jetzt muss dieselbe Mannschaft in Athen gewinnen, um die Direktqualifikation für die U21-EM 2027 noch zu erreichen. Griechenland führt die Gruppe an, Deutschland folgt als Jäger – und Jäger mügen keine Fehlbisse.
Der Plan ist klar, aber nicht einfach: Sieg mit zwei Toren Vorsprung, dann holt die DFB-Auswahl auch den direkten Vergleich. Di Salvo lächelt nicht, als er das sagt. Er weiß, dass seine Elf in Brüssel und Belfast schon Dinge richtig gemacht hat, die jetzt Pflicht sind: Ballbesitz zügeln, Räume schnürten, Chancen verwandeln. Die 3:0-Gala gegen Nordirland war ein Probedruck; Athen wird die Finalschrift.
Im Tor wird erneut Mio Backhaus stehen. Dennis Seimen liegt mit Fieber im Hotelbett, Paderborn vermisst ihn, die U21 vertraut auf den Bremer. „Mio hat Ruhe im Kopf und Reflexe aus der Bundesliga“, sagt Di Salvo. Es klingt wie ein Kompliment, ist aber eine Kampfansage an jeden, der glaubt, Deutschland sei zum Zuschauen nach Griechenland gereist.

Tresoldi und el mala – ein duo mit sprengkraft
Nicoló Tresoldi trägt Zwölf Treffer in 23 Einsätzen vor sich her wie eine Visitenkarte. Gegen Nordirland schraubte er seine Quote mit einem Doppelpack weiter nach oben. „Ich bin heiß, aber nicht heißlauf“, sagt der Stürmer von Club Brügge. Sein Lauf soll morgen weitergehen – quer durch die griechische Abwehr, direkt ins EM-Ticket.
Rechts neben ihm könnte Said El Mala endlich den Sprung vom Kunststück zum Kunsttor schaffen. Der 1. FC Kölner spricht fließend Dribbling, doch sein erstes U21-Tor wartet noch auf sich. Di Salvo lacht, als Reporter ihn darauf ansprechen: „Said wird liefern, davon bin ich überzeugt.“ Zwischen Lachen und Lärm liegt nur ein Tor – und genau dort will El Mala sich einnisten.
Die griechische Seite hat ihre Tickets verschenkt, das Stadion wird gratis zugänglich sein. Die Hymne dürfe lauter anschwellen als die deutsche, prophezeit der Veranstalter. Doch Lautstärke allein gewinnt keine Spiele. Deutschland besitzt die bessere Tordifferenz, den besseren Sturm, den besseren Plan. Was fehlt, ist der bessere Platz in der Tabelle – den muss man sich erzwingen.
Sollte das Wunder ausbleiben, bleibt noch das Hintertürchen: Platz eins unter den neun Gruppenzweiten. Doch wer sich auf Statistiken verlässt, verliert oft das Spiel auf dem Rasen. Deshalb redet Di Salvo nicht über Rechnungen, sondern über Reaktion. „Wir kommen, um zu gewinnen“, sagt er. Punkt. Kein „wenn“, kein „aber“, kein „vielleicht“.
Der Countdown läuft. 48 Stunden vor Abpfiff sitzen die Spieler im Teamhotel, hören Musik, schauen Videos von griechischen Fans, die ihre Fahnen schwenken. Später geht es ins Stadion, auf das warme Geläuf, unter die Flutlichter. Dort wartet ein Gegner, der seit fünf Spielen ungeschlagen ist. Dort wartet auch eine Zukunft – mit oder ohne EM, mit oder ohne Tresoldi-Tore, mit oder ohne El Mala-Kracher.
Am Ende zählt nur, wer den kühleren Kopf behält, wenn das Spielfeld vor Begeisterung bebt. Deutschland muss gewinnen, Griechenland muss nicht. Das ist der Vorteil der Gastgeber – und die Chance der Gäste. Wer jetzt zittert, verliert. Wer tritt, triumphiert. Athen wird entscheiden, ob die U21 im Sommer 2027 in Serbien und Albanien dabei ist – oder zu Hause bleibt und die Playoffs ertragen muss.
Kick-off 18 Uhr, deutsche Zeit. Danach weiß jeder, wo die Reise hingeht. Entweder nach Belgrad oder nach Hause. Beides ist keine 90 Minuten entfernt. Der Weg ist kurz, die Folgen lang.
