Klubs verzichten auf aufstieg: die 3. liga wird zur lotterie
Die 3. Handball-Bundesliga droht zu implodieren. Erst zögerten die Bundesliga-Reserve-Teams, nun springen auch reguläre Spitzenklubs ab: Kornwestheim, Heilbronn-Horkheim, Würzburg – allesamt Top-6-Riege – haben öffentlich erklärt, auf eine Aufstiegsrunde zu verzichten. Konsequenz: In der Staffel Süd reicht Platz 4 vielleicht schon für das Ticket in die 2. Bundesliga. Ein Novum, das die Liga in eine Planungskrise stürzt.
Warum sich die klubs ducken
Die Gründe sind so individuell wie pragmatisch. Manche Vereine fürchten Lizenzauflagen, andere die doppelte Belastung durch Play-offs und Personal-Kosten. Die SG Pforzheim/Eutingen steht exemplarisch für das Dilemma: aktuell Vierter, aber ohne Garantie, dass der Platz am Ende reicht, weit vor allem Neuhausen/Filder, Pfullingen und Konstanz noch mitmischen. Trainer Sascha Soubusta spart nicht mit Klarheit: „Wir wollen hoch, aber wir wissen nicht, gegen wen oder wie viele.“
Die Staffel Süd-West wirkt dagegen wie ein Paralleluniversum. Hier haben HG Saarlouis und TV Gelnhausen neun Punkte Vorsprung auf den Verfolger – und spielen nur noch gegen sich selbst. Die HSG Hanau wiederum hat schon offiziell abgewunkt, obwohl sie theoretisch noch Rang zwei erreichen könnte. Der Longericher SC schaut vergeblich auf den Kalender: keine direkten Duelle mehr gegen die Spitze, die Saison ist gelaufen.

Nord-staffeln: klarheit nur oben
Anders sieht es im Norden aus. In der Staffel Nord-Ost hat MTV Braunschweig sieben Punkte Vorsprung und ein klares Bekenntnis zur Aufstiegsrunde abgegeben. Volker Mudrow, Coach des Tabellenführers, fordert trotzdem Tempo: „Wir haben Aue, Hildesheim und Rostock noch vor der Brust – das wird eng.“ Der erste Verfolger EHV Aue muss dagegen nicht nur punkten, sondern auch hoffen, dass Braunschweig nicht als neutraler Schiedsrichter in den Top-Duellen entscheidet.
In der Staffel Nord-West tobt ein Dreikampf, der an die Segunda División erinnert. TV Emsdetten führt, ASV Hamm-Westfalen hat durch ein Nachholspiel gegen Ahlen Rang zwei erobert und nur einen Punzen Vorsprung auf TuS Vinnhorst. Das Direktduell am 25. April könnte bereits die Weichen stellen – vorausgesetzt, alle drei Teams halten bis dahin ihre Aufstiegsbereitschaft fest.

Modus-frust: vier spiele oder direkt raus?
Wie viele Teams tatsächlich in die Aufstiegsrunde starten, entscheidet sich erst nach dem letzten Pflichtspiel. Grundmodus: zwei Klubs pro Staffel, acht Teams gesamt, zwei Doppel-K.o.-Runden, vier Partien bis zum Aufstieg. Doch schon jetzt deuten Verzichte auf ein verkürztes Feld hin. Bei sieben Teilnehmern wird einfach Rund gespielt, bei sechs Teams zwei Dreiergruppen. Extremfall: Nur zwei Meldungen – dann steigen diese direkt auf. Die Handball-Bundesliga (HBL) spielt bereits mit dem Gedanken, die Zahl der Absteiger aus Liga zwei zu kürzen, falls sich kein aufstiegswilliger Gegner findet.
Die Folge: Spieler, Fans und Sponsoren schauen in ein offenes Rad. Vereine planen Budgets für eine Liga, in die sie vielleicht gar nicht dürfen. Und die HBL? Sie wartet ab, bis die Meldefrist Ende Mai verstreicht. Die Devise lautet: Erst zählen, dann modellieren. Bis dahin bleibt die 3. Liga ein Puzzle mit fehlenden Teilen – und der Aufstieg ein Scherbenhaufen.
