Klopp weicht aus: wm-desaster fordert opfer – nagelsmann im visier?
Die bittere Realität hat Deutschland im Sechzehntelfinale der WM gegen Paraguay erwischt – ein blamables Ausscheiden im Elfmeterschießen (3:4 i.E.). Während der Schock noch sitzt, stellt sich die Frage nach der Zukunft des deutschen Fußballs. Und Jürgen Klopp, der als möglicher Nachfolger von Bundestrainer Hansi Flick gehandelt wird, hält sich weiterhin bedeckt.
Die ausflüchte des liverpool-coaches
„Natürlich habe ich eine Haltung und eine Meinung dazu“, gab Klopp nach dem desaströsen Auftritt der Nationalmannschaft bei MagentaTV zu. Doch anstatt Klarheit zu schaffen, wich er der direkten Frage nach einer möglichen Übernahme des Bundestrainer-Postens aus. „Aber das kann heute Abend nicht mein Thema sein“, entgegnete der 59-Jährige, der sich stattdessen auf seine aktuelle Aufgabe bei Liverpool konzentrierte: „Ich habe einen Job und wir haben auch einen Bundestrainer.“
Doch Klopp ließ keinen Zweifel daran, dass tiefgreifende Veränderungen notwendig sind. „Aber unabhängig von meiner Person müssen sich ganz viele Dinge ändern. Ab jetzt ist klar: Wir müssen Schritt für Schritt wieder dahinkommen, wo wir waren.“ Wie genau dieser Weg aussehen soll, ließ er offen. Die Frage, wer künftig das Ruder übernehmen wird, beantwortete er ausweichend: „Wer dann Bundestrainer ist, das werden wir sehen.“

Nagelsmanns wunschdenken: eine falle?
Klopp deutete an, dass Julian Nagelsmann, der sein Interesse an der Bundestrainerposition bereits geäußert hat, der wahrscheinlichste Kandidat sei. „Wahrscheinlich ist es Julian Nagelsmann, das hat er ja gesagt, dass er gerne weitermachen würde.“ Doch selbst wenn Nagelsmann den Job antritt, so betonte Klopp, sei ein Umdenken unerlässlich: „Dann müssen sich die Dinge trotzdem ändern. Da muss an ganz vielen Stellschrauben gedreht werden.“
Was dem Liverpool-Coach besonders fehlte, war die notwendige Leidenschaft und Dringlichkeit. „Die absolute Leidenschaft – auch da gibt es ja eine Steigerung – das hat mir gefehlt. Es haben Bewegungen und Abläufe gefehlt, um den Gegner viel mehr zu beschäftigen als wir es getan haben.“ Es gehe darum, „dass man von Sekunde eins an keinen Zweifel daran lässt, warum man hier ist.“
Die Selbstüberschätzung, mit der Deutschland in das Turnier gestartet ist – mit dem Anspruch, Weltmeister werden zu wollen – sei, so Klopp, fehl am Platz. „Wir kommen hier an und sagen: Wir wollen Weltmeister werden.“ Stattdessen riet er dazu, sich wieder als Herausforderer zu verstehen. „Um dann selber Spaß zu finden an einem Turnier.“ Denn die glorreichen Zeiten der Vergangenheit, mit den vier WM-Titeln, sollten nicht zur Selbstgefälligkeit führen, sondern als Motivation dienen, sich neu zu erfinden – und sich dem Druck der Erwartungen zu entziehen.
