Klopp bricht beim legends game das schweigen: „nur ein verrückter hätte das alles erträumt“
Jürgen Klopp stand wieder auf dem Rasen von Anfield – nicht als Coach, sondern als lebende Legende. Beim 2:2 des Showspiels zwischen Liverpool und Dortmund packt er aus: Die Titelsammlung der Reds war selbst für ihn ein Märchen, das er sich nicht ausmalen durfte.
„So dumm kann keiner sein“
„Nein, so dumm kann keiner sein, dass er sich all das erträumt, was ich erleben durfte“, sagt Klopp im Interview mit LFC-TV. Die Antwort klingt wie ein typischer Klopp-Scherz, ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn hinter dem Lachen steckt der Respekt vor der eigenen Biografie. Als er am 8. Oktober 2015 das Trainerteam übernahm, war der Klub auf Platz zehn der Premier League abgestürzt. Die Fans sangen zwar „You’ll never walk alone“, aber sie wateten durchs Mittelmaß.
Die Wende folgte schleichend, dann plötzlich. Klopp schwor das Team auf „Heavy Metal Football“ ein. Die erste große Krönung: die Champions League 2019 gegen Tottenham. Dann der Premier-League-Titel 2020 – nach 30 Jahren Warten. Dazu kamen zwei Ligapokalsiege, ein FA-Cup, der UEFA-Supercup und die Klub-WM. Ein kleines Museum, zusammengerafft in neun Jahren.

Die nacht, in der er wieder allein war
Ein Tag vor dem Legends Game schlich sich Klopp heimlich ins Stadion. Keine Kameras, keine Fans, nur er und das Grün. „Ich habe den Stolz gespürt, dass ich von diesem großen Verein neun Jahre ein Teil sein durfte. Es war meine Heimat und ist auch noch heute meine Heimat.“ Die Sätze klingen, als hätte er sie vorher im Kopf geprobt. Trotzdem bleibt ein Kloß im Hals, wenn man ihn so reden hört.
Mittlerweile sitzt Klopp im Red-Bull-Hauptquartier in Salzburg und baut ein globales Fußballnetzwerk auf. Doch die Koffer sind nicht gepackt. „Wenn mir das jemand vor zehn Jahren gesagt hätte, hätte ich gesagt: Das ist unmöglich.“ Heute lacht er darüber, weil er weiß: Mancher Narr hat eben doch Glück.
Am Ende zählt nur die Bilanz: neun Trophäen, ein verkniffenes Lächeln und eine Stadt, die ihn nie mehr loslässt. Die Geschichte ist zu Ende erzählt – und fängt jedes Mal wieder an, wenn Anfield das Licht angeht.
