Klinsmann will tottenham retten – nach 29 jahren
Jürgen Klinsmann meldet sich zurück. Knapp 14 Monate nach seiner Entlassung in Südkorea schickt der Weltmeister von 1990 eine Bewerbung ans alte Liebesobjekt – und trifft mitten in die Krise.
Die spurs schwanken einen punkt über der abstiegszone
Igor Tudor hat seit seiner Amtsübernahme Mitte Februar keinen einzigen Sieg gelöst. Die 2:5-Pleite gegen Atlético war der vorläufige Tiefpunkt, die Stimmung im Stadion kippte, als Antonin Kinsky nach 17 Minuten vom Platz musste. Klinsmann sieht das mit dem Blick eines Vaters: Seine Tochter ist Torhüterin. „Das ist das Schlimmste, was einem Keeper passieren kann.“
Der 61-Jährige weiß, wie sich ein Verein anfühlt, der plötzlich kämpft. 1994/95 erlebte er Tottenham in ähnlicher Lage, erzielte damals 29 Tore und führte die Mannschaft auf Rang sieben. Die Fans sangen noch Jahre später sein Lied. Diese Erinnerung nutzt er nun als Trumpf.

Emotion statt taktikfuchs – klinsmanns plan
„Kein taktisches Genie“, sagt er selbst, „sondern jemand, der die Menschen packt.“ Seine These: Tottenham braucht keinen neuen Spielplan, sondern einen Kriegsplan. „Ein richtig hässlicher Kampfgeist“ soll her, mit dem sich die Drohnung in die Championship verhindern lässt. Die Worte klingen wie ein direktes Ultimatum an die Inhaber ENIC.
Die Zahlen sprechen für ihn: Kein ehemaliger Spieler der Moderne ist so lange ohne Coachingjob geblieben, nachdem er eine Nationalmannschaft geführt hat. Die Premier-League-TV-Rechte garantieren 150 Millionen Pfund Saison-Einnahmen – genug Spielraum für ein Kurzzeit-Experiment. Die Frage ist nur: Wagen die Spurs ein drittes Comeback eines Legenden-Trainers nach Mourinho und Conte?
Am Samstag gastiert Tottenham bei Brighton. Schon jetto heißt es: Verliert Tudor, fliegt er. Dann könnte Klinsmann binnen 48 Stunden auf der Bank sitzen – 29 Jahre, nachdem er das letzte Mal das Weiße Hart-Lane betrat.
