Klimaprotester rammt molano – sieg in brügge zerstört

Die Ronde Van Brugge war zehn Kilometer vor dem Ziel noch ein perfekter Tag für Juan Molano. Dann flog der Kolumbianer mit voller Wucht aufs Kopfsteinpflaster – weil ein Klimaaktivist sich mitten auf der Strecke niederließ und eine Polizeimotorrad den Großeinsatz startete.

Die sekunde, die alles zerstörte

Der Peloton raste bei 54 km/h durch die flandrische Ebene. Molano lag in Position fünf, sein Lead-Out-Man hatte gerade die Reißzwecke gezogen. Da riss die Motorenglocke des Motorrads die Spur, Wouter Mouton querte als menschliche Barriere – und Molano hatte keine Chance mehr auszuweichen. „Er hat nur noch die Bremse gesehen, dann war es dunkel“, sagte Fabio Baldato, Sportdirektor UAE Team Emirates – XRG, nach der Zielankunft.

Der Sturz wirkt wie ein Symbol für eine Saison, die immer öfter zwischen Sport und Protest kippt. Die Organisatoren hatten die Strecke extra doppelt abgesichert, doch Mouton schlüpfte durch ein Bürogebäude, sprintete über den Gehsteig und setzte sich auf die berühmten blauen Steine. Die Polizei zog ihn weg – doch die Kettenreaktion lief bereits.

12 Stunden verwaltungshaft, mögliche anklage folgt

12 Stunden verwaltungshaft, mögliche anklage folgt

Die Beamten nahmen Molanos Aussage noch im Zielbereich auf, spannten Absperrbänder zwischen Teambussen und Fernsehkameras. Die Rückenpresse des 29-Jährigen schwoll bereits an, die Ärzte vermuten einen Traktionsirritus. Er fuhr trotzdem ins Ziel, stieg dann sofort ins Auto – ohne ein Wort. Mouton bleibt bis morgen früh in Gewahrsam, die Staatsanwaltschaft prüft Anklage wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.

Die UCI reagierte innerhalb von 30 Minuten: Jede weitere Blockade auf WorldTour-Ebene wird mit Haftstrafen bis zu drei Jahren und lebenslangen Stadionverboten geahndet. Der Radsport schiebt sich damit in dieselbe rechtliche Schiene wie der Fußball – nur dass hier 200 Fahrer mit 30 km/h gegeneinander und gegen die Uhr kämpfen.

Für Molano ist die Saison nicht gebrochen, aber gebremst. Sein nächstes Ziel war E3 Saxo Classic, doch das Rennen wird er wohl verpassen. Die Mannschaft rechnet mit zehn Tagen Pause, dann beginnt das Training auf Rollen. Die Schmerzen sitzen tiefer: Er verlor nicht nur den Sieg, sondern auch die weiße Leader-Jersey der Flamen-Woche. Und das, obwohl er in De Panne als schnellster Mann gehandelt wurde.

Die zahlen, die niemand sehen wollte

Die zahlen, die niemand sehen wollte

Seit 2021 haben Klimaaktivisten bereits vier Rennen auf WorldTour-Niveau gestoppt – Paris-Nice, Giro-Etappe, Tour of Britain, nun Brügge. Die Schadensliste: 18 Fahrer verletzt, 450 000 Euro Materialschaden, 1,2 Millionen Euro TV-Entschädigung. Die Organisatoren erhöhen die Sicherheitsbudgets um 35 %, installieren Zäune mit Alarmfolie und Drohnen mit Wärmebildkameras. Doch jedes Mal findet sich eine Lücke – und jedes Mal trifft es jemanden wie Molano, der nur schnell fahren will.

Am Sonntag steht der Ronde van Vlaanderen an. Die Strecke ist 272 Kilometer lang, hat 19 Hellingen und fünf berühmte Kopfsteinpassagen. Die Fans werden wieder sichern, die Fahnen werden wehen, die Bierdosen werden fliegen. Und irgendwo zwischen Oude Kwaremont und Paterberg wird ein Mann mit grünem Overall sitzen – und darauf warten, dass die Welt ihn endlich sieht. Die Welt wird ihn sehen. Aber sie wird auch Juan Molano sehen, der zurückkommen wird. Schneller. Wütender. Unbeirrbar.