Lok leipzig patzt gegen zehlendorf und verspielt tabellenpolster

0:2 gegen das Letztenlicht. Die 1. FC Lok Leipzig hat am Dienstagabend im Bruno-Plache-Stadion nicht nur drei Punkte verschenkt, sondern auch ihre Aura. Die Berliner von Hertha Zehlendorf, bislang Prügelknabe der Regionalliga Nordost, schlugen den Spitzenreiter mit zwei Toren und unendlich viel Spielfreude.

Die Leipziger wirkten von der ersten Minute an wie ein Kollektiv, das sich selbst nicht mehr traut. Die schnellen Doppelpässe blieben aus, die Laufwege waren starr, und die Räume, die Zehlendorf bot, wurden ignoriert. Trainer Jochen Seitz hatte vorher gewarnt, die Gäste „nicht zu unterschätzen“. Seine Spieler hörten offenbar nicht zu.

Ein schiri-fehlentscheidung als vorbote des chaos

In der 25. Minute schien die Welt noch in Ordnung. Jonas Arcalean staubte aus sechs Metern zum vermeintlichen 1:0 ab, doch Assistent Nico Grötzinger hob die Fahne. Abseits, behauptete er. Die TV-Bilder zeigten: kein Meter Abseits, sondern ein reguläres Tor. Die Szene fror die Hausherren zusammen, während Zehlendorf neue Energie schöpfte.

Die Berliner hatten nichts zu verlieren. Sie pressten früh, spielten quer durch die eigene Hälfte und ließen den Ball laufen, als gäbe es kein morgen. Stanley Keller und Nicolas Hebisch vergaben Großchancen, doch die Leipziger Abwehr wirkte stets einen Schritt zu spät. Kurz vor dem Seitenwechsel rettete Keeper Alexios Dedidis mit einem Reflex gegen Arcalean, doch es war ein Rettungsversuch mit Ausschaltcharakter.

Elfmeter und abstauber: zehlendorf eiskalt

Elfmeter und abstauber: zehlendorf eiskalt

Die zweite Hälfte begann wie die erste endete: mit Leipziger Unordnung. In der 63. Minute grätschte Ben Schulz im Strafraum zu spät, der Kontakt war minimal – doch Nasuhi-Noah Jones ließ sich nicht bitten und verwandelte den Strafstoß sicher. Die Leipziger Kurve verstummte, auf der Gästetribüne brach Jubel aus, der bis nach Mitte der Woche in Berlin nachhallen wird.

Lok versuchte es mit dem Küchenpsychologie-Standardprogramm: Wechsel, lange Bälle, verzweifelte Läufe. Doch die Berliner standen kompakt, lauerten auf Konter. In der 70. Minute schlug es erneut zu: Schulz zog aus 15 Metern ab, Lukas Wilton lenkte die Kugel unhaltbar per Innenkante ins Netz. 0:2. Die Leipziger versuchten es noch mit Niklas Doll, der nur den Pfosten traf – ein Symboltag.

Am Ende stand ein 0:2, das sich wie 0:5 anfühlte. Die Tabellenführung ist noch vorhanden, aber die Seele der Mannschaft blutet. Für Zehlendorf war es der zweite Saisonsieg – und der wertvollste der Klubgeschichte. Für Lok ein Weckruf, der weit über die 90 Minuten hinausreicht. Die Meisterschaft ist noch nicht verloren, aber das Selbstvertrauen muss neu aufgebaut werden. Die Konkurrenz aus Cottbus, Babelsberg und Lichtenberg atmet auf. Die Jagd auf den Spitzenreiter hat begonnen.