Kleindienst kämpft nach doppel-knie-gau um wm-ticket – nagelsmann schreibt
Tim Kleindienst steht auf Krücken, doch in seinem Kopf spielt er in Katar. Zwei Meniskus-Operationen in zehn Monaten, sechs Monate ohne Pfiff – und trotzdem hält der 30-Jährige die WM 2026 für greifbar. „Solange Julian Nagelsmann nicht Nein sagt, lebe ich diesen Traum“, sagt der Gladbacher im Exklusiv-Interview mit Sky.
Die whatsapp, die alles offen hält
Die Nachricht kam letzte Woche. „Wie geht’s dir?“ – 16 Zeichen, geschrieben von jenem Bundestrainer, der in drei Monaten 26 Namen auf die Liste setzen muss. Kleindienst antwortete schnell, aber nicht aufdringlich. „Er wird der Erste sein, der von meinem Knie erfährt, wenn es soweit ist“, sagt der Stürmer, der in nur sechs Länderspielen vier Mal traf und sich damit eine Art Bonusmeile im Gedächtnis von Nagelsmann erarbeitet hat.
Die Mediziner nennen seinen Fall „doppelt atypisch“. Erst riss der Innenmeniskus im Mai, dann der Außenmeniskus im November. „Maximal beschissen gelaufen“, zitiert Kleindienst seinen Operateur. Kein klassischer Rezidiv, kein Trainingsschnitzer – einfach Pech, das sich wie ein Virus durch die Gelenke fraß. Die Folge: Kein Weihnachtsspiel, kein Jahreswechseltraining, stattdessen Langlauf auf dem Ergometer und Beweglichkeit im Rehazentrum München.

Der zeitplan ist kein kalender, sondern ein krimi
Drei Monate bis zur Endauswahl, sagt Kleindienst, „das ist ein Serienfinale mit offenem Drehbuch“. Die Gladbacher Mediziner haben ihm eine Stufe nach der anderen gezeichnet: Februar Laufband, März Ballkontakt, April Vollbelastung. „Aber nur wenn das Knie kein Nein rausschreit“, betont er. Die Belastungskurve sieht aus wie ein Herzschlag – steil nach oben, dann wieder Null, wenn Schmerzsignale aufleuchten.
Sein Körper ist seine Aktie. Bei 30 Jahren zählt jeder Tag doppelt. „Ich bin kein 19-jähriger Flügelstürmer mehr, der nach vier Wochen wieder sprintet“, sagt er mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß, dass seine Stärke nicht die Frequenz, sondern die Laufwege im Strafraum sind. Genau diese Ausdauer will er zurückerobern – nicht mit Crash-Diät, sondern mit Mikro-Einheiten, die den Meniskus wie ein Chamäleon an neue Belastungen gewöhnen.

Was wirklich zählt, steht nicht im mrt
Die WM ist keine Medaillenfrage mehr, sondern ein Pulsbefund. Nagelsmann wird keine halben Karten eintauschen. Er braucht Spieler, die 120 Minuten plus Nachspielzeit gehen können. Kleindienst weiß das. „Er muss hundertprozentig von mir überzeugt sein – und ich hundertprozentig von meinem Knie“, sagt er. Die Gleichung hat zwei Unbekannte: den Körper und den Bundestrainer.
Realistisch? Die Quote liegt bei 15 Prozent, schätzen interne Statistiker des DFB. Besser als Null. Solange das Licht am Ende des Tunnels noch flackert, wird Kleindienst nicht abschalten. „Ich will noch in diesem Frühjahr jubeln, selbst wenn es nur ein Kurzeinsatz ist“, sagt er. Dann grinst er, fast verschmitzt: „Und wenn es nur das Warm-up vor der WM wird, bin ich trotzdem dabei.“
Die Uhr tickt. Das Knie auch. Aber Tim Kleindienst hat schon oft bewiesen, dass Tore nicht nur aus Talent fallen – manchmal auch aus reiner Dickschädeligkeit.
