Carl zeiss jena kassiert derby-k.o. und verspielt tabellen-favoritenrolle
Der FC Carl Zeiss Jena ist am Freitagabend mit einem blutigen Knie aus dem kleinen Thüringenderby gekrochen. Nach 45 Minuten Powerplay und einer zwischenzeitlichen Führung lautete das Endergebnis 1:2 gegen den ZFC Meuselwitz – die erste Heimpleite nach 13 ungeschlagenen Partien.
Sedlak wird zur mauer, jena zur schießbude
Was in der ersten Halbzeit aussah wie ein Trainingsspiel, wurde zur Rumpelkammer. Emeka Oduah vergab zweimal frei vor Lukas Sedlak, Kevin Lankford köpfte aus fünf Metern drüber, Alexander Prokopenko scheiterte am Aluminium. Die Statistik nach 45 Minuten: 12 Torschüsse, 65-prozentige Ballbesitzzeit, xWert von 2,4 – und trotzdem 0:0. Meuselwitz’ Keeper Sedlak parierte fünf Mal, zwei weitere Bälle räumte sein Abwehrkollege vom Strich. Die Gäste? Eine halbe Chance, kein Torschuss. Im Ernsthaftigkeits-Check lagen sie bei null.
Georg-Martin Leopold reagierte zur Pause doppelt: Luca Bürger und Luis Fischer sollten die Mittellinie endlich stören. Was folgte, war keine dominante Jena-Pressing-Walze mehr, sondern ein offener Schlagabtausch. In der 56. Minute dann die vermeintliche Vorentscheidung: Handelfmeter, Maxim Hessel verwandelt souverän. Die Ernst-Abbe-Stadt tobte – und übersah, dass Meuselwitz plötzlich mit zwei Spitzen stand und die Räume größer wurden.

Elfmeter-gegenschlag und ein lenkrad-dreher
67. Minute: Sören Reddemann blockt mit dem Ellenbogen, Schiedsrichter Krieger zeigt sofort auf den Punkt. Florian Hansch versenkt links unten, Keeper Jonas Kersken greift daneben – 1:1. Jena wirkte wie betäubt, die Parole „Weiter nach vorne“ verpuffte im Mittelkreis. Die Gäste schalteten um auf Manndeckung, ließen nur noch lange Bälle zu und lauerten auf Konter. Die Szene, die alles entschied, passierte in der Nachspielzeit: Bürger chippt auf Fischer, der aus 16 Metern mit Drehung vollendet. Kersken ist machtlos, 1:2. Die Gästeecke feiert wie nach einem Pokalsensation.
Für Jena bedeutet die Niederlage mehr als nur drei verlorene Punkte. Mit 52 Zählern rutscht der FCC auf Rang drei, punktgleich mit Lok Leipzig, die ein Spiel weniger haben. Meuselwitz klettert auf Platz acht und entfernt sich weiter vom Abstiegsstrudel. Die Moral der Gastgeber? Auf der Bank herrschte nach Abpfiff Stille, in der Kurve Pfiffe. Trainer Volkan Uluc sprach von „einer kalten Dusche, die wir uns selbst aufgedreht haben“. Die nächste Chance auf Wiedergutmachung gibt es am Sonntag in Babelsberg – mit oder ohne Sedlak im eigenen Tor.
