Kirkeeide verpatzt olympia-form und vergisst strafrunde: gold verblasst in kontiolahti

Maren Kirkeeide lachte am Ende, doch das Lachen klang hohl. Die 23-Jährige, in Antholz noch Sprint-Olympiasiegerin, steht im finnischen Kontiolahti plötzlich für jene Marke Sportlerin, die sich selbst nicht mehr erkennt: zwei Fehler, eine vergessene Strafrunde, zwei Minuten Zeitstrafe, Rang 28. 30 Läuferinnen waren gestartet, 27 blieben vor ihr.

Der moment, als ihr klar wurde, dass etwas fehlt

Kirkeeide schoss im dritten Anschlag daneben, drehte ab, aber nur einmal. „Ich dachte, eine reicht“, sagte sie später vor der norwegischen Kamera von TV 2 und zuckte mit den Schultern. Die Armbanduhr der IBU zeigte 30 Sekunden Rückstand aufs Podest – eine Zahl, die keinen Sinn ergab. Erst im Ziel fiel der Groschen: Sie war zu früh wieder auf die Strecke gegangen. Borut Nunar, IBU-Rennleiter, bestätigte postwendend die zwei Minuten Strafe. „Ein klassischer Fehler, passiert eben“, sagte er, als hätte man ihr einen Kaffee übergekippt.

Die Folge: Julia Simon feierte vorzeitig den Sieg, Kirkeeide rutschte aus der Top-15-Zone und landete hinter der Slowakin Paulína Bátovská. Für die Norwegerin ist das mehr als ein Ausrutscher – es ist ein Alarmsignal. Seit ihrem Gold-Gewinn in Südtirol war sie im Einzel über 60 Minuten nur einmal unter die besten 20 gelaufen, heute verpasste sie selbst das.

Olympia-high folgt weltcup-low

Olympia-high folgt weltcup-low

Die Datenbank liefert die schonungslose Grafik: 1 Gold, 1 Silber, 1 Bronze in Antholz – und seitdem 61., 54., heute 28. Platz. Ihr Gesamtweltcup-Konto steht bei 436 Punkten, 192 hinter der Französin Simon. Das Gelbe Trikot ist rein rechnerisch noch erreichbar, faktisch bereits verstaubt. „Ich merke, dass die Energie weg ist“, sagte sie leise. „Aber ich hasse Trainingspausen mehr als schlechte Rennen.“

Schuld am Fehlstart war auch ein Kleinkrieg auf der Strecke. Vanessa Voigt versuchte, Kirkeeide auszuweichen, touchierte dabei Lou Jeanmonnot – ein Domino, das mit der Norwegerin endete. Kirkeeide selbst blieb körperlich unversehrt, die Konzentration aber war weg. „Ich habe nur noch meinen Schatten gehört“, sagte sie.

Trainer Patrick Oberegger kratzte sich nach dem Rennen an der Kappe. „Wir reden hier über Millisekunden im Kopf, nicht über Technik“, sagte er. „Maren muss wieder lernen, dass Fehler normal sind, aber vergessene Strafrunden nicht.“

Die Saison ist noch nicht vorbei, doch die Geduld der Fans wird gemessen. In Oslo wollen 10 000 Zuschauer in drei Wochen ihre Heldin auf der Holmenkollenschanze sehen – nicht als Läuferin, die sich selbst vergisst. Kirkeeide selbst flüsterte noch im Ziel: „Ich bin 23, nicht 33. Ich komme zurück.“ Die Frage ist nur, ob das reicht, um das Gelbe Trikot doch noch anzuziehen. Die Antwort lautet: Nein.