Kimmichs letzter tanz: kann er dem dfb endlich zum titel verhelfen?
Die Luft in Houston ist stickig, die Erwartungen gewaltig. Joshua Kimmich, das Gesicht einer Generation, die dem deutschen Fußball lange vermeintlich die Seele ausgesaugt hat, blickt auf seine letzte Chance. Bei der WM 2026 in Nordamerika will er endlich das Tabu brechen, das ihn seit Jahren verfolgt: den Gewinn eines großen Titels mit der Nationalmannschaft.
Ein vermächtnis in der schwebe
Es ist die Geschichte eines Spielers, der mit dem FC Bayern München alles gewonnen hat, der in der Bundesliga zum dominanten Faktor wurde, in der Champions League glänzte. Doch im DFB-Trikot scheint Kimmich in einer Art tragischem Zwischenreich gefangen. Die WM in Katar 2022 war der Tiefpunkt, die Enttäuschung so tief, dass sie ihn bis heute verfolgt. „Für mich war das damals der schwierigste Tag meiner Karriere“, gestand er.
Die Bilanz ist bitter: 110 Länderspiele, Rang neun in der ewigen Bestenliste, aber kein WM-Finale, kein großer Titel. Nur er und ein paar andere gehören zu der Generation, die den Begriff „Generation Nichts“ prägte – ein Stigma, das Kimmich mit 31 Jahren nun abstreifen will. Denn die neue Generation klopft bereits an, Musiala, Wirtz und Co. werden als die Hoffnungsträger gesehen.

Die bürde der verantwortung
Kimmich ist nicht nur der Kapitän, sondern auch das Gesicht dieser Mannschaft. Er ist der Spieler, der die Pressekonferenzen meistert, der die jungen Wilden integriert, der die Verantwortung trägt. Doch diese Last wiegt schwer. Vincent Kompany, sein neuer Trainer beim FC Bayern, hat festgestellt: „Seine Führungsfähigkeit hat sich stark verbessert. Er erkennt inzwischen das Timing und den Moment für Kritik oder Lob besser.“ Das ist entscheidend, denn die WM ist kein Ort für blinde Aggression, sondern für taktisches Geschick und mentale Stärke.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Kimmich hat 77% seiner Pässe in der letzten Saison im Bayern-Trikot erfolgreich gespielt. Eine unglaubliche Quote, die aber im Nationalteam noch nicht ganz abgerufen werden konnte. Es geht darum, die individuelle Klasse in den Mannschaftsdienst zu übersetzen, die Dominanz des FC Bayern in die kollektive Stärke der Nationalmannschaft zu übertragen.

Ein letzter tanz für die ewigkeit
Die Gruppe bei der WM ist vermeintlich machbar. Doch vermeintlich ist das falsche Wort im Fußball. Die Gegner werden alles daran setzen, den Starspieler aus Bayern zu stoppen. Es wird ein Kampf, ein Duell der Nerven. Aber Kimmich ist kein Mann, der vor Herausforderungen zurückschreckt. Er ist ein Kämpfer, ein Anführer, ein Spieler, der sich seiner Bestimmung stellen will.
Das DFB-Erbe liegt in seinen Händen. Die Chance auf den fünften Stern ist real. Aber es ist auch seine letzte Chance. Denn nach der WM 2026 wird Kimmich 33 Jahre alt sein. Die Zeit drängt. Der letzte Tanz beginnt. <Und die Welt hält den Atem an.
