Bosnien trotzt dem fußball-schicksal: wm-traum lebt!

Ein Kopfball, ein Jubelsturm, ein Wunder: Bosnien-Herzegowina hat sich nach einem dramatischen Elfmeterschießen gegen Italien sensationell für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Ein Land, das am Rande des Abgrunds stand, greift nun nach dem großen Glück – und könnte überraschen.

Sergej barbarez: der architekt des umbruchs

Es ist die Geschichte eines Neuanfangs. Vor einem Jahr noch schien die bosnische Nationalmannschaft in der Nations League am Boden. Nur zwei Punkte aus sechs Spielen – eine erschreckende Bilanz. Doch Sergej Barbarez, im April 2024 zum Trainer ernannt, gelang es, die Mannschaft zu stabilisieren und eine beeindruckende Aufholjagd zu starten. 17 von 24 möglichen Punkten in der WM-Qualifikation sprechen eine deutliche Sprache. Die Tatsache, dass Bosnien das einzige europäische Team war, das dem späteren Gruppensieger Österreich nicht unterlag, zeugt von einem taktischen Umdenken und neu gewonnenem Selbstvertrauen.

Barbarez setzt auf eine solide Defensive und taktische Disziplin, meist im 4-2-3-1 System. Gelegentlich greift er aber auch zu einer Dreierkette, um das Zentrum zu verstärken. Es ist ein Ansatz, der Früchte trägt – aber auch Fragen aufwirft, insbesondere in Bezug auf die Offensive.

Džeko trägt die last – und die hoffnung

Džeko trägt die last – und die hoffnung

Die Stärke Bosniens liegt unbestreitbar in seiner Fähigkeit, konstant Tore zu erzielen. In zehn Qualifikationsspielen trafen die Bosnier zehnmal – ein Beweis für Offensivgeist. Und dann ist da noch Edin Džeko, der historische Stürmerstar. Mit 40 Jahren und 6 Toren in der Qualifikation ist er der Dreh- und Angelpunkt der Offensive, der Mann, auf den sich alle verlassen. Seine Erfahrung und sein Instinkt sind unersetzlich.

Aber es gibt auch Schattenseiten. Bosnien hat die kürzeste WM-Bilanz aller teilnehmenden Nationen (nur drei Spiele, ein Sieg im Jahr 2014). Diese mangelnde Erfahrung könnte in der heißen Phase des Turniers zum Problem werden. Zudem ließ die Defensive in sieben von zehn Qualifikationsspielen Gegentreffer zu – ein Zeichen, dass es hier noch Luft nach oben gibt.

Džeko, der seine Karriere in den letzten Jahren bei Manchester City, Roma und Inter verlauten ließ, generierte in der Gruppenphase der WM 2014 sieben Torschüsse – nur Benzema, Cristiano Ronaldo und Neymar waren erfolgreicher. Seine Präsenz allein kann Gegner erzittern lassen. Das Problem ist, dass er es kaum alleine schaffen kann.

Es wird ein schwieriger Weg für Bosnien-Herzegowina. Aber die Euphorie ist groß, der Glaube an die Mannschaft ungebrochen. Denn manchmal, so scheint es, braucht der Fußball eben genau diese Leidenschaft, diesen unbändigen Willen, um das Unmögliche möglich zu machen. Die WM wird zeigen, ob Bosnien diesen Glauben in Tore verwandeln kann.