Kimmich zieht klare grenze: „wir sind keine politik-berater“

Joshua Kimmich pfeift das Spiel mit der Moralkeule ab. Wenige Tage vor dem Abflug zur WM in den USA, Mexiko und Kanada sagt der DFB-Kapitän im Gespräch mit Sports Illustrated, was viele Mitspieler denken, aber bisher nicht aussprechen wollten: „Fußballer lösen keine geopolitischen Krisen – und das erwarte ich auch nicht von uns.“

„Falsche erwartungshaltung“ nennt kimmich die forderung nach ständigen statements

Die Erinnerung an die Vorrunden-Aus in Russland 2018 und Katar 2022 sitzt tief. Beide Male trieben Debatten um Menschenrechte, Regenbogen-Armbinden und Boykott-Forderungen den Teamgeist aus dem Takt. Kimmich will dieses Kapitel endgültig schließen: „Ich habe Werte, klar. Aber wer glaubt, ich könne als Kapitän über Nacht zum Nahost-Experten mutieren, der stellt sich tausendmal täuschen.“

Die Formulierung ist bewusst scharf. Sie trifft jene Kreise, die seit Monaten verlangen, die Nationalmannschaft möge sich öffentlich gegen Donald Trumps Politik positionieren. „Selbst Berufspolitiker schaffen das kaum“, spitzt Kimmich zu. „Und jetzt soll ein Innenverteidiger aus München die Welt retten? Das ist absurd.“

Völler segnet strategiewechsel ab – ohne maulkorb

Völler segnet strategiewechsel ab – ohne maulkorb

DFB-Sportdirektor Rudi Völler bestätigt die neue Marschroute. „Kein Spieler bekommt einen Maulkorb“, betont er beim Trainingsauftakt in Herzogenaurach. „Aber wir trennen künftig strikt zwischen persönlicher Überzeugung und offizieller Teamposition.“

Die Lehre aus Katar lautet: öffentliche Bekenntnisse lösen kein Menschenrechtsproblem – sie spalten nur das eigene Lager. „Wir haben Fehler gemacht, die wir nicht wiederholen dürfen“, sagt Völler mit Blick auf das One-Love-Armbinden-Fiasko, das die Mannschaft spaltete und den DFB ins Abseits stellte. Die Kabine soll wieder zur Festung werden, in der nur Fußball zählt.

Menschenrechtler warnen vor trump-inszenierung – kimmich bleibt cool

Menschenrechtler warnen vor trump-inszenierung – kimmich bleibt cool

Während Organisationen wie Amnesty International vor einer „Inszenierung des US-Präsidenten“ warnen, reagiert Kimmich fast gelangweilt. „Ich kenne meine Rolle: Tackling, Passspiel, Führung auf dem Platz.“ Er verweist auf die Verantwortlichen im DFB-Hauptquartier. „Das ist deren Job, nicht meiner.“

Die Tage bis zum Eröffnungsspiel am 11. Juni gegen Schottland ticken. Die Mannschaft fliegt am Samstag nach Houston – mit einem klaren Auftrag: „Wir sind hier, um Fußball zu spielen“, sagt Kimmich. „Alles andere ist Lärm, der uns stört.“

Die Fans werden es merken: Diese Elf will Geschichte neu schreiben – ohne Polit-Glossen, dafür mit Ballbesitz und Toren. Ob das reicht, um die Vorrunden-Fluch zu brechen, entscheidet sich nicht im TV-Talk, sondern auf dem Rasen von Philadelphia, Dallas und Los Angeles.