Kiel zwingt flensburg in die knie – wolff schlägt zurück
Die Nordsee schwappt, die Weiße Wand tobt. 60 Minuten lang war der THW Kiel ein anderer – zackiger, lauter, unversöhnlich. Ergebnis: 37:33 im 116. Bundesliga-Derby, Flensburg kassiert die vierte Saisonniederlage und muss plötzlich um den direkten Champions-League-Platz zittern.
Andreas Wolff stand nach Abpfiff nicht einfach nur unter der Südkurve, er regierte sie. „Wenn wir diese Konstanz bis Mai durchziehen, kriegen wir den CL-Ticket noch zu fassen“, sagte der Nationaltorhüter und sprach aus, was in Kiel seit Wochen keiner laut wagte: Wir gehören noch zur Spitze, wir haben nur vergessen, es wöchentlich zu zeigen.
Derby-double in vier tagen
Donnerstag Europa-League-Sieg (36:29), Sonntag Liga-K.o. (37:33). Filip Jicha sprach von „unglaublichem Stolz“, doch hinter dem Doppel liegt Arbeit. Nach den Blamagen gegen Gummersbach und Stuttgart rauften sich Spieler und Trainer zusammen, schraubten an Abwehrtiming und Wurfvarianten. Die Antwort: 23:17 zur Pause, zwischenzeitlich +11, zweistellige Schlagzahl gegen den ewigen Kontrahenten. Selten zuvor wirkte Kiel in dieser Saison so verflüssigt, so selbstverständlich.
Flensburg dagegen patzt zum schlechtesten Zeitpunkt. Mit 39:11 Punkten bleibt die SG zwar Zweiter, doch der Vorsprung auf den drittplatzierten SC Magdeburg schmilbt, und Kiel (36:14) sitzt im Rückspiegel. Die HBL dürfte ab 2026/27 drei feste Champions-League-Startplätze erhalten – wer Viertklafter wird, könnte dennoch in die Quali müssen. Für Flensburg wäre das ein Beinbruch nach Jahren internationaler Routine.

Die länderspielpause kommt ungelegen
Kiels Lauf droht zu stocken, zumindest kurzfristig. Am 27. März gastieren die Zebras in Melsungen, wo Punkte traditionell schwerer sind als Promille im Frühjahr. Wolff wird mit der Nationalmannschaft nach Ägypten reisen, Jicha muss Rotation planen. „Wir haben bewiesen, dass wir die Großen schlagen können“, sagte Wolff, „nun zeigen wir, dass wir auch die Kleinen nicht mehr schenken.“
Die Saison ist nicht gerettet, aber sie ist wieder offen. Und ausgerechnet das 37:33 könnte sich als Initialzündung erweisen, wenn es am Ende tatsächlich für den Europapokal reicht. Kiel hat die Schmach von Gummersbach nicht vergessen, aber endlich überrollt. Flensburg spürt, dass der Rekordmeister noch lange nicht gezählt ist.
