Khedira kritisiert deutsche wm-ausbildung: "kinder nicht in watte packen!"
Die Enttäuschung sitzt tief: Nach dem schmerzhaften Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft im Elfmeterschießengegen Paraguay hat sich nun Weltmeister Sami Khedira zu Wort gemeldet und eine deutliche Kritik an der aktuellen Ausbildungspraxis im deutschen Fußball geäußert. Er sieht darin eine wesentliche Ursache für das erneute frühe Turnieraus.

Die wurzel des problems liegt im jugendfußball
Khedira, der die WM-Enttäuschung als „die Quittung der letzten Jahre“ bezeichnete, geht davon aus, dass die Ursache nicht allein bei Bundestrainer Julian Nagelsmann liegt – er räumt ihm lediglich eine „Mitschuld“ ein. Vielmehr sieht er das Problem in einer verfehlten Herangehensweise an die Jugendförderung. „Wir dürfen die Kinder nicht in Watte packen und sagen: ‚Das Gewinnen ist nicht wichtig, wir müssen einfach nur die perfekte Technik haben‘“, erklärte der 39-Jährige im Podcast des Waiblinger Zeitungsverlags. Diese Denkweise verstelle den Blick auf das Wesentliche.
Auf dem „absoluten Topniveau“ zähle, so Khedira, eine Kombination aus Mentalität und Führungsqualitäten. Natürlich seien auch technische Fähigkeiten wie Passspiel und Abschlussstärke wichtig, doch letztlich fehle es der Mannschaft an den entscheidenden Führungsfiguren. „Das spiegelt sich in Spielen wie gegen Paraguay wider“, sagte er mit Blick auf das verpasste Weiterkommen.
Das Elfmeterschießen, das die deutsche Mannschaft in Foxborough verlor, erschütterte Khedira zutiefst. Doch das Ergebnis kam für ihn nicht völlig unerwartet. „Das Vorrunden-Aus 2018 in Russland war noch ein Unfall gewesen“, betonte er, „doch danach ging es bergab. Aktuell reicht es einfach nicht für die Weltklasse.“ Die WM 2026 offenbarte somit die Konsequenzen einer fehlgeleiteten Ausbildung, die mehr Wert auf Perfektion als auf Siegermentalität legt.
Der frühere Mittelfeldspieler mahnt eine grundlegende Überprüfung der deutschen Fußballakademie, um die Entwicklung von mental starken und führungsstarken Spielern zu fördern. Denn so klar wie Khedira es formuliert: Nur mit einer Neuausrichtung der Jugendförderung kann Deutschland wieder zu einer ernstzunehmenden Fußballnation werden. Die nächste Generation muss lernen, mit Druck umzugehen und Verantwortung zu übernehmen – andernfalls wird es auch in Zukunft keine WM-Titel geben.
