Kauczinis zauber wirkt: 1860 münchen jagt den aufstieg wieder mit offenem visier

Seit dem 11. Spieltag steht Markus Kauczinski an der Seitenlinie der Löwen – und plötzlich glüht die alte Alle unter der Wintersonne wieder wie ein Kamin. 16 von 18 Punkten aus den letzten sechs Partien. Keine rhetorische Glanznummer, sondern die reine Tabelle. Die Mannschaft, die im Herbst noch wie ein verlorenes Puzzle aussah, wirkt nun wie zusammengesteckt.

Der mann, der das kribbeln nicht runterspielt

Kauczinski lachte vor dem Spiel gegen Wiesbaden, als ihn ein Reporter fragte, ob er denn „ruhig“ bleibe. „Kribbeln ist das Wort“, sagte er und tippte sich gegen die Brust. Keine Standard-Antwort, sondern ehrisches Bekenntnis. Genau das haben die Spieler offenbar gebraucht: einen Coach, der die Anspannung nicht als Störfaktor deklariert, sondern als Treibstoff.

Die personelle Lage ist trotzdem prekär. Thore Jacobsen fehlte mit Bänderriss, Niederlechner laboriert an der Sprunggelenks-Entzündung, Volland ist nur auf Abruf einsetzbar. Trotzdem kassierte 1860 nur zwei Gegentore in den letzten fünf Spielen. Die Defensive steht so tief, dass selbst der Giesinger Biergarten neidisch wird.

Der restprogramm-hammer kommt

Der restprogramm-hammer kommt

Duisburg, Mannheim, Cottbus – kein Gegner unter Platz acht. Drei Endspiele innerhalb von sieben Tagen. Die Löwen müssen jetzt die letzten paar Prozent Vorfreude, von denen Kauczinski spricht, in Schüsse umwandeln. Die Fans haben schon die alte „Wir sind zurück“-Koreo aus dem Archiv geholt. Die Kurve glaubt, die Kabine auch. Nur die Punkte fehlen noch.

Die Rechnung ist simpel: Wer jetzt stolpert, rutscht auf Platz sieben. Wer gewinnt, darf am 34. Spieltag auf den Rasen von Rostock mit dem Aufstiegsstern auf der Brust spielen. Kauczinski hat seinen Spielern ein Foto vom Grünwalder Stadion mit leeren Rängen geschickt – unterschrieben mit „So sieht Sommer 2025 aus, wenn ihr jetzt kneift“. Keine Power-Point, einfach nur ein Bild und ein Satz. Manchmal reicht das.

Die Liga hat den Löwen nichts geschenkt. Aber sie haben sich selbst zurückgeholt. Und wenn am 18. Mai in Rostock die Netze zittern, könnte genau dieses Bild zum Screensaver der Saison werden: Kauczinski, der mit roten Backen und zerknitterter Jacke auf der Bank kauert – und nebenan ein Kapitän, der endlich wieder mit dem Aufstiegshelm wedelt. Keine Garantie, aber eine Chance. In München reicht das manchmal für ein ganzes Jahr Euphorie.