Kastening packt nach kiel-sensation aus: mt-kader „nicht auf der höhe“
Kiel lacht selten – am Samstag war es ein Heulen. Die MT Melsungen schob den THW mit 30:29 in die nächste Heim-Krise, schob sich selbst in die europäische Diskussion. Timo Kastening sprach es offen aus: „Wir haben verdient gewonnen oder es war am Ende das Quäntchen Glück.“ Die Wahrheit liegt dazwischen, und sie schmerzt.
Der sieg täuscht – der blick bleibt brutal ehrlich
Kastening liebt klare Worte mehr als schöne Siege. Deshalb riss er nach dem Happy-End in der Sparkassen-Arena die Schleusen auf: „Wenn du immer wieder gegen die Top-Gegner verlierst, dann bist du dieses Jahr nicht auf der Höhe.“ Die MT steht nach 22 Spielen bei 20:22 Punkten, Platz zwölf. Die Europa-League-Plätze sind vier Zähler entfernt, die Realität noch mehr.
Die Verletzungsmisere war ein Vollzeitjob für den Physiotherapie-Raum. Erik Balenciaga, Mensing, Schäfer – der Kreis der Ausfälle las sich wie ein Who-is-Who der Startformation. „Wir sind eine extreme System-Mannschaft“, sagt Kastening. Ohne Kopf und ohne Rippen funktioniert das Gebilde nicht. Jetzt, wo die Rippen wieder da sind, atmet auch der Spielfluss. Gegen Kiel wirkte plötzlich jede Rotation wie ein Schachzug, nicht wie ein Notbehelf.

Fredericia wird zur zitterpartie
Dienstag geht’s nach Dänemark. Fredericia HK wartet in der European League, und die MT trägt das Selbstbewusstsein wie einen Panzer. „Von Spiel zu Spiel denken“ – das ist keine Phrase, sondern ein Überlebensbefehl. Denn hinten lauern Lemgo und Gummersbach mit besserer Ausbeute. Die Rechnung ist simpel: Wer in Skandinavien verliert, darf von Europa nur noch träumen. Wer gewinnt, darf zumindest bis zum nächsten Dienstag weitermalen.
Kastening hat keine Lust auf Märchen. Er will Punkte, nicht Parolen. Und er weiß: Die Saison ist kein Sprint mehr, sie ist ein Slalom zwischen Hoffnung und Realität. Kiel war nur ein Tor. Die restlichen zehn Spiele entscheiden, ob es am Ende mehr war als ein schöner Abend in der norddeutschen Provinz.