Kasper schmeichel droht karriere-aus: zweimal messer, zwölf monate hoffnung

Kasper Schmeichel zittert um sein Lebenswerk. Die Schulter des dänischen Torhüters ist ein Schlachtfeld, das Feldspieler kaum kennen: Bizepsabriss, Rotatorenmanschette zerfetzt, Schulter ausgekugelt, Gelenklippe gerissen. »Alles kaputt«, sagt er selbst, und klingt dabei so ruhig, als hätte jemand das Licht ausgeschaltet.

»Es ist, als hätte man sich kreuzband und achillessehne gleichzeitit gerissen«

»Es ist, als hätte man sich kreuzband und achillessehne gleichzeitit gerissen«

Der Vergleich stammt aus dem Munde eines Mannes, der 2016 mit Leicester City die Premier League sprengte und seit 120 Länderspielen die dänische Nationalmannschaft trägt. Für einen 39-jährigen Schlussmann bedeutet jede Woche Reha ein halbes Leben. Ende März erste Operation, danach eine zweite. Dazwischen zehn bis zwölf Monat ohne Handschuh, ohne Tor, ohne Publikumsrauschen. »Ich könnte mein letztes Spiel gespielt haben«, sagt Schmeichel und meint damit nicht nur die 90 Minuten, sondern eine Identität, die seit seiner Geburt existiert.

Celtic Glasgow wird im Sommer Vertragsende ziehen, die WM-Quali-Play-offs passieren ohne ihn. Viljami Sinisalo steht zwischen den Pfosten, während Schmeichel sich fragt, ob die Karriere mit einem medizinischen Attest endet und nicht mit einem Pokal in den Händen. Der Vater, Peter Schmeichel, Legende zwischen den Pfosten, kann nur zuhören. »Man kann sich nicht vorstellen, wie schlimm Schulterverletzungen für Torhüter sind«, sagt er und klingt dabei wie ein Mann, der weiß, dass manche Paraden nicht auf dem Rasen stattfinden.

Die Woche, in der die Diagnose fiel, war ein Dienstag, der sich wie ein Finale anfühlte. Seit dem 22. Februar, dem letzten Einsatz gegen Stuttgart, tickt eine andere Uhr. Schmeichel will kämpfen, will zurück, will beweisen, dass eine Schulter nicht reicht, um eine Karriere zu begraben. »Das wäre die größte Errungenschaft meiner Laufbahn«, sagt er. Meister mit Leicester, Double mit Celtic – und vielleicht bald ein Comeback, das größer ist als jeder Titel, weil es gegen die Zeit geht.