Kapverden in brockton: die "elfte insel" feiert fußball-euphorie!
Die Main Street von Brockton, Massachusetts, bebte. Nicht wegen eines Schuh-Fabrik-Jubiläums, sondern wegen der Fußball-WM. Die kapverdische Diaspora, rund 20 Prozent der Bevölkerung, feierte ihre Nationalmannschaft – und Brockton wurde zur "elfte Insel" der Kapverden.
Ein bürgermeister, der sich verspätet – wegen wichtiger finanzen
Bürgermeister Moises Rodrigues musste ein Interview kurzfristig verschieben. "Tölpelhaft, wie wir manchmal unser Geld ausgeben," entschuldigte er sich. Doch dann sprach er mit Leidenschaft über die kapverdische Nationalmannschaft, ein Symbol des Stolzes für seine Gemeinde.

Von schuhstadt zur fußball-hochburg
Vor einem Jahrhundert lockten hier noch Arbeitsplätze in der Schuhindustrie Kapverdianer nach Brockton. Heute ist die Stadt ein Epizentrum der Emotionen, wenn die "blauen Haie", wie die Nationalmannschaft genannt wird, auf dem Rasen stehen. Nach dem 2:2 gegen Uruguay explodierte die Stadt in einem Meer aus kapverdischen Flaggen und Jubel.
Manuel da Silva, Restaurantbesitzer und Brückenbauer zwischen zwei Welten, blickt zufrieden auf sein Lokal „Preto’s Island Cuisine“. Die Leute kommen aus nah und fern, um die authentische kapverdische Küche zu genießen – und die WM mitzuerleben. Er erinnert sich an die Aufregung und das kollektive Glücksgefühl, als seine Mannschaft gegen Uruguay einen Punkt holte. „Spanien hat einen WM-Titel, Uruguay sogar zwei. Und wir haben gegen beide unentschieden gespielt!“, erklärt da Silva mit einem Augenzwinkern.
Manny Cardoso, der das Spiel gegen Uruguay live in Miami verfolgte, ist ebenfalls begeistert. „Alle so happy, alle so aufgeregt, die gesamte Stadt!“, schwärmt der 47-Jährige. Und er hofft, dass Kap Verde die K.o.-Runde erreicht – obwohl die Tickets für das Spiel gegen Argentinien bereits jenseits der 1000-Dollar-Marke liegen.

Verwandtschaftliche bande und unerwartete helden
Die Geschichte von Kevin Pina, dem Torschützen gegen Uruguay, ist besonders ergreifend. Der 29-Jährige lebte einst in Brockton, und Bürgermeister Rodrigues gibt zu: „Um einige Ecken bin ich mit ihm verwandt.“ Pina, ein unerwarteter Held, der aus dem Nichts aufgetaucht ist und plötzlich mehr Instagram-Follower hat als Tom Brady. Ein Beweis dafür, dass Fußball mehr als nur ein Spiel ist – er verbindet Menschen und Kulturen über Kontinente hinweg.
Sollte Kap Verde tatsächlich die K.o.-Runde erreichen, plant die Stadt ein Public Viewing im größten Baseballstadion. Bis zu 5000 Menschen könnten dabei sein – ein Fest für die Seele und ein Beweis für die tiefe Verbundenheit zwischen Brockton und den Kapverden. Die “elfte Insel” hat bewiesen, dass Größe nicht alles ist. Mit Leidenschaft, Teamgeist und einer gehörigen Portion Stolz kann man auch als Underdog Großes erreichen.
