Kapitän weg, abstieg droht: rossmanns kreuzband reißt – offenbachs not wird zur dramatik

Maximilian Rossmann schreit, das Stadion hält den Atem an. Zehn Minuten war gespielt, als seine Kniescheibe knackt – ein Geräusch wie zerbrechendes Holz. Der Mann, den Kickers Offenbach in der Schlammsaison zusammenhalten sollte, wird auf einer Trage fortgeschafft. Diagnose: Riss der linken Patellasehne. Saisonende, Hoffnung begraben.

Die operation war nur der anfang

Am Dienstagmorgen saß der 33-Jährige wieder im OP – dieselbe Klinik, die schon seine Achillessehne flickte. Diesmal verlief alles „nach Plan“, teilt der Verein mit. Doch wer die Bilder vom August 2023 kennt, weiß: Rossmann brauchte 14 Monate, um zurückzukommen. Jetzt wartet wieder ein Jahr Reha auf einen Spieler, der gerade mal siefzig Liga-Einsätze für den OFC zusammenkam. Die Frage ist nicht, ob er zurückkommt – sondern, ob er überhaupt will.

Mark Zimmermann verliert seinen Feldgeneral in der Phase, in der jeder Punkt über Klassenverbleib oder -abstieg entscheidet. Gegen Sonnenhof Großaspach kassierte Kickers bereits das fünfte Spiel ohne Sieg. Die Tabelle lügt nicht: 15. Platz, drei Punkte Luft nach unten. Am Samstag geht’s nach Freiburg zum Spitzenreiter, eine Woche später Pokal-Halbfinale gegen Barockstadt Fulda. Ohne Rossmann, ohne Stimme in der Abwehr.

Die kabine wackelt, der boss schweigt

Die kabine wackelt, der boss schweigt

Intern kursiert das Wort „Deppenversion“ – wer Rossmann ersetzen soll, weiß niemand. Innenverteidiger Boller ist gelb-rot-gesperrt, Neuzugang Gültekin noch nicht spielfähig. Zimmermann probierte am Sonntag im Training eine Dreierkette, brach sie nach 20 Minuten wieder ab. „Wir haben keine echte Führungsspieler- DNA mehr“, sagt ein Betreuer off the record. Präsident Rolf Feldmann ließ durchblicken, dass der Kader „nicht für den Abstiegskampf konstruiert“ war – ein Satz, der in der Kabine wie ein Knall aufschlug.

Die Fans reagieren mit schwarzem Humor. Auf der Südtribüne zirkuliert ein Plakat: „Rossmann raus – Kreuzband rein.“ Dahinter steht mehr als Frust. Es ist die Erkenntnis, dass die sportliche Planung seit Jahren auf einem einzigen, nun verletzten Defensivspezialisten basierte. Die Summe der Fehlminuten seit Sommer 2023: 18 Monate Ausfall, 42 Pflichtspiele, 0 Siege ohne ihn. Die Zahl lügt nicht.

Für Rossmann persönlich bleibt neben Schmerz vor allem eine bittere Erkenntnis: Seine Karriere endet nicht mit einem großen Finale, sondern mit dem Geräusch einer reißenden Sehne. Während die Mannschaft am Dienstagabend Videoanalyse schob, lag er im Gips, das Bein in 60-Grad-Winkel hochgebunden. „Ich komme zurück“, sagte er den Teamkollegen. Diesmal klang es nicht wie Kampfansage – eher wie ein Versprechen an sich selbst.