Kaori sakamoto fliegt mit gold und tränen in den ruhestand – japans eiskönigin krönt sich in prag

Kaori Sakamoto legte sich „La Vie en Rose“ auf die Eislaufbahn und schickte eine ganze Karriere in den letzten Ton. 238,28 Punkte bedeuten in Prag nicht nur Weltmeister-Gold, sondern auch den Schlusspunkt unter eine Ära, die vier Welt-Titel, drei Olympia-Silber und unzählige Jubelstürme umfasst.

Die technik-wertung war ein solo vor leerer bühne

158,97 Punkte – mehr als jede Konkurrentin in diesem Wettkampf überhaupt kassierte. Die 25-Jährige fuhr ihre Kombinationen so scharf, dass selbst die Slow-Mo-Kameras ins Stottern gerieten. Dabei wusste sie: Danach gibt’s kein Morgentraining mehr. „Ich habe mich beim letzten Spin gefragt: Warum eigentlich aufhören? Dann habe ich mein Bein gespürt und gewusst: Genau jetzt ist Schluss“, sagte sie mit Tränen, die die Eisfläche funkeln ließen.

Hinter ihr schob sich Landsfrau Mone Chiba nach vorn. Mit 228,47 Punkten und dem Soundtrack von „Romeo und Julia“ stieg die 21-Jährige vom Bronze-Jungen der letzten WM zum Silber-Reifen. Ihre 150,02 Punkte in der Kür markieren persönliche Bestmarke – und ein Machtwort an die Konkurrenz: Japans Nachwuchs ist längst kein Pflaster mehr, sondern eine Lawine.

Die große Überraschung komplettierte Nina Pinzarrone. Die 19-jährige Belgierin rutschte in der Qualifikation noch auf Rang fünf, schraubte sich dann aber mit 215,20 Punkten aufs Podest. „Ich bin aufgestanden, bin wieder gefallen, bin wieder aufgestanden – das ist meine Saison in einer Nuss“, lachte sie und küsste trotzdem Bronze. Ihre Sturz-Remontade wird in der Szene länger nachhallen als manche Makellose.

Die bilanz, die bleibt

Die bilanz, die bleibt

Sakamoto verabschiedet sich als einzige Frau, die vier Welt-Titel in Folge holte, und als Athletin, die selbst bei Windstärke 9 auf dem Eis noch lächelte. Ihre 933 Tage als unangefochtene Nummer eins enden nicht mit einem Rücktrittsschreiben, sondern mit einem letzten, perfekten Kreis. Wer jetzt fragt, ob Japans Dauerregen an der Spitze abreißt, sollte nach den Auguren Chiba und Pinzarrone schielen – und sich warm anziehen.

Die Eislauf-WM in Prag ist Geschichte. Sakamoto nimmt ihre Rosen, das Gold – und die Gewissheit, dass „La Vie en Rose“ künftig jedem Eislauf-Fan Tränen treibt, die 238,28 Punkte groß sind.