Kane lacht, gnabry spricht vom triple: bayerns rückkehr nach bergamo beginnt

Harry Kane spuckte keine drei Wochen nach seinem Muskelfaserriss schon wieder Rasengummi. Die Sonne über Säbener Straße blieb zwar verborgen, doch der Engländer grinste, als hätte er das Finale in Budapest schon gebucht. Dienstagabend, 21.00 Uhr, Atalanta – für den FC Bayern beginnt die Stunde der Wahrheit, und der Captain ist pünktlich an Bord.

Warum bergamo mehr ist als ein zwischenstopp

Die Lombarden haben den BVB vor zwei Wochen mit 4:1 zerlegt. Dieselbe Atalanta, die Dortmunds Abwehr in Einzelteile zerlegte, wartet nun auf die Münchner. Max Eberl nennt das 0:2-Hinspiel der Schwarzgelben seinen „Benchmark“. Kein Wunder: Wer gegen den italienischen Underdog 90 Minuten lang schläft, landet im März auf der Intensivstation der Königsklasse.

Bayern haben gewarnt gesehen, aber nicht gezittert. Sie reisen mit dem Selbstbewusstsein des Tabellenführers, dem Liga-Poker im Rücken und dem Traum vom nächsten Triple im Gepäck. Serge Gnabry spricht offen von „Parallelen zur Truppe von 2020“. Das klingt nach Marketing, ist aber ein Psychogramm: Diese Mannschaft lacht wieder im Training, beschimpft sich beim Kleinfeld mit Vornamen und spielt den Ball nicht mehr quer, sondern nach vorne.

Kane, musiala und der große momentum-glaube

Kane, musiala und der große momentum-glaube

Jamal Musiala dribbelt wieder ohne Schiene, auch wenn ein Startelfeinsatz in Bergamo eher Kurzgeschichte als Roman wird. Der wahre Plot trägt die Nummer 9. Kane war gegen Gladbach noch Zuschauer, ließ aber Nicolas Jackson ran, der sich mit Tor und Vorlage für die Dienstreise nach Italien empfohlen hat. Nun will der Engländer selbstliefern. „Wenn man eine Serie startet, fühlt man sich fast unaufhaltbar“, sagte er nach dem Abpfiff gegen Gladbach. Klingt nach Selbsttherapie, ist aber die Mentalität, die Bayern in den letzten Jahren abhanden gekommen war.

Trainer Vincent Kompany schickt seine Spieler nicht als Touristen nach Bergamo. Er weiß, dass Atalanta an einem guten Tag „Berge versetzen“ kann, wie Manuel Neuer vor seiner Zwangspause warnte. Doch Neuer fehlt, und Jonas Urbig steht zwischen den Pfosten. Der 21-Jährige hütete bereits drei Mal das Tor, kassierte nur ein Gegentor – Statistik statt Sentimentalität.

Die rechnung geht auf – oder sie platzt

Die rechnung geht auf – oder sie platzt

Die Bayern haben die letzten sieben Pflichtspiele gewonnen, 25 Tore geschossen, drei kassiert. Die Zahlen sind lauter als jedes Motivationsgedicht. Trotzdem: Wer in Bergamo nur rechnet, verliert. Atalanta presst in 3-4-1-2, schaltet um wie ein Formel-1-Motor und spielt Fouls mit dem Timing eines Metronoms. Die Münchner müssen nicht nur gewinnen, sondern auch wegkommen – schnell, präzise, gnadenlos.

Am Abend wird Harry Kane wieder auflaufen, mit Tape statt Bandage, mit Ziel statt Zweifel. Die Triple-Träume von 2020 sind längst Archivmaterial, doch der Geruch von frisch gemähtem Rasen und Endspiel-Feuerwerk liegt in der Luft. Bayern fliegt nach Bergamo, um die Saison endgültig auf Sieg zu stellen. Das Rückspiel ist in drei Wochen, aber die Weichen werden schon morgen gestellt. Wer da zögert, fliegt früher raus als geplant.