Kajsa vickhoff lie: super-g-crash reißt norwegens hoffnung brutal aus dem rennen

Skifans atmen kurz durch – und dann kommt der Schlag. Kajsa Vickhoff Lie, Norwegens schnellste Hoffnung im Super-G, liegt nach dem letzten Saisonlauf nicht jubelnd in der Zielmulde, sondern auf dem OP-Tisch. Ein einziger Tor-Korrekturversuch, ein rutschender Aussenski, und schon trennt sich ein großes Stück Gelenkknorpel vom Knochen. Die Diagnose: ablösender Knorpel, sofortige Operation, sechs Wochen Krücken. Die Saison ist vorbei, die nächste steht in Frage.

Der unfall, der alles veränderte

Die Szenarien hatte sich Lie anders ausgemalt. Letztes Rennen, letzte Chance, letzter Schwung nach einer Winterserie mit Höhen und Tiefen. Doch beim Super-G in Saalbach riss der Schnee unter ihrem linken Ski weg, das Innenknie knickte ein, der Schmerz war sofort messerscharf. Noch auf der Piste ahnte sie, dass dies mehr ist als eine Streckung. Die MRT-Bilder später lieferten die nackte Zahl: ein freier Knorpelfragment im Gelenkspalt, ein Schaden, der ohne Skalpell nicht zu reparieren ist.

Die Ärzte konnten das Fragment wieder annähen – ein kleiner Sieg im großen Krieg. „Sie haben das Teil wieder reingepflanzt“, sagt Lie mit der rauen Gelassenheit einer Athletin, die schon einmal zwölf Monate Pause verkraftet hat. Aber die Geduldsfrist beginnt von Neuem. Kein Squat, kein Sprint, kein Skilift. Mindestens 42 Tage auf Unterarmgehhilfen, das ist für eine Frau, die Bewegung atmet, ein psychologisches Sonderprogramm.

Zwischen teamglück und persönlicher hölle

Zwischen teamglück und persönlicher hölle

Ironie des Sports: Am Tag ihrer Hiobsbotschaft feierte Norwegen das erfolgreichste Weltcup-Finale der Geschichte. Mina Fürst Holtmann fuhr aufs Podest, Timon Haugan gewann, Atle Lie McGrä sicherte sich die Kristallkugel. Die Freunde jubelten im Ziel, während Lie im Krankenhaus lag und Instagram-Storys aus dem OP-Saal postete. „Ich bin am Boden zerstört“, schrieb sie, „aber ich habe es schon einmal geschafft, ich schaffe es auch dieses Mal wieder.“

Das ist keine Phrase. 2020 riss sie sich das Kreuzband, kam zurück, gewann Weltcup-Rennen. Ihr Comeback-Datum steht noch nicht fest, doch die 25-Jährige hat bereits den nächsten Mentalsprint gestartet: „Ich bin kein angenehmer Mensch, wenn ich stillstehe – also werde ich eben schneller geistig rennen.“

Die Saison ist für sie vorbei, nicht aber der Kampf. Und der beginnt jetzt, wo die Schneekristalle schon schmelzen, auf leisen Krücken und mit lautem Willen.