Musiala und wirtz: vom kinderzimmer ins fußballmuseum – jetzt startet ihre superhelden-show

400 Kinder tobten durchs Dortmunder Fußballmuseum, als plötzlich die Lichter dämpften und zwei Silhouetten auf der Leinwand erschienen – nicht Batman und Superman, sondern Jamal Musiala und Florian Wirtz. Die neue Ausstellung „SUPERHEROES“ eröffnete am Mittwochabend mit einem Knall, der weit über eine klassische Vernissage hinausging. Statt Sekt gab’s Autogramme, statt Reden Schnickschnack-Parolen und statt Museumsdoktrin ein multimediales Feuerwerk, das die Besucher in die Köpfe der beiden DFB-Talente beamte.

Mutter wirtz schnitt die schnüre, mutter musiala drückte den startknopf

Während Bernd Neuendorf vor der Kamera von einer „sehr beeindruckenden“ Installation schwärmte, standen die wahren Hauptdarstellerinnen leise im Hintergrund: Susanne Musiala und Karin Wirtz. Sie eröffneten die Schau nicht nur symbolisch – sie lieferten die Geschichten, die hinter den Ballkünsten ihrer Söhne stehen. Kindheitsvideos aus der Süddeutschen und Rheinischen Provinz flimmern auf 180-Grad-Leinwänden, dazwischen Taktikboards mit Jugendtrainer-Kritzeleien und die ersten abgekämpften Schuhe, die einst dem Rasen von Southampton beziehungsweise Brauweiler gehörten.

Julian Nagelsmann ging noch einen Schritt weiter. „Museen schauen meist zurück, hier wird vorgegriffen“, sagte der Bundestrainer und klingt dabei wie ein Mann, der weiß, dass seine WM-Pläne im Sommer 2026 von eben jenen beiden abhängen. Die Mission: Titel in den USA, Mexiko und Kanada. Die Botschaft: „Wir wollen das Land stolz machen“, skandierte Musiala, während Wirtz wie ein Echo einhängte: „Weltmeister zu werden, ist das Größte.“

Keine comic-helden, sondern ein argentinier und ein brasilianer

Keine comic-helden, sondern ein argentinier und ein brasilianer

Der Begriff „Superheld“ ist bewusst gewählt, aber nicht auf sich selbst bezogen. Wirtz verrät, dass Lionel Messi seine Kindheits-Ikone war – „nicht wegen Filmen, sondern wegen seiner Dreher und Treffer“. Musiala schwärmt von Ronaldinho: „Sein Lachen und diese unglaublich entspannten Dribblings – das war mein YouTube-Marathen.“ Für Musiala sind echte Helden „meine Familie, die immer da ist“. Ein Satz, der im Saal für kurze Stille sorgt, bevor die nächste Gruppe Kinder auf dem interaktiven Stadionmodell ein Tor erzielt – digital, aber mit echtem Jubel.

Die Ausstellung läuft bis 6. Januar 2027, ein klares Statement des Deutschen Fußball-Museums, das nach der EM-Enttäuschung neue Gesichter ins Zentrum rückt. Die Ticketpreise bleiben unverändert, die VR-Brillen neu. Wer hereinkommt, kann selbst den Parcours aus Musialas 360-Grad-Dribbling und Wirtz‘ „No-Look-Pass“-Station testen. Die Statistik dahinter: Mehr als 60 Prozent der jungen Besucher konnten nach Angaben des Museums einen erfolgreichen Dribblingversuch abschließen – ein Wert, der für Stolz in den Reihen der Veranstalter sorgt.

Die Message ist klar: Die DFB-Zukunft soll nicht nur geduldig abwarten, sondern spürbar werden. Ein Schritt Richtung Identifikation, ein Schritt weg von der verkrampften Selbstreflexion der vergangenen Turniere. Denn wenn 400 Kinder nach zwei Stunden Ausstellung noch lauter sind als beim Anpfiff, hat die Geschichte angezogen – und das ist im modernen Fußball schon mal die halbe Miete.