Kabinett räumt spitzensportreform durch – leipzig wird zur zukunftshauptstadt
Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den Weg freigemacht: Der Referentenentwurf zum Sportfördergesetz rutschte durch, und damit steht Christiane Schenderleins Machtplan kurz vor dem Ziel. Die CDU-Staatsministerin jubelte vor den Mikrofonen: „Meilenstein für den deutschen Spitzensport.“ Klingt nach Sieg, ist aber erst der Auftakt zu einem Streit, der hinter den Kulissen längst auf offener Klinge geführt wird.
Schenderlein setzt leipzig durch – dosb fühlt sich abgehängt
Leipzig, nicht Frankfurt, wird Sitz der neuen Spitzensportagentur. Schenderlein begründet die Entscheidung mit „Unabhängigkeit“, DOSB-Chef Thomas Weikert spricht schon vom „Spielball politischer Interessen“. Der Verband wollte die Agentur unter sein Dach holen, stattdessen rückt Leipzig in den Fokus – ein Schlag ins Gesicht der Frankfurter Funktionäre, die sich seit Jahren als Drehscheibe des deutschen Sports verstehen. Otto Fricke, Vorstandsvorsitzender des DOSB, wirft der Politik einen Alleingang vor. Der Schuss vor den Bug: „Das wird im Parlamentsverfahren noch heiß diskutiert.“
Die Agentur übernimmt nach Olympia 2028 alle Förderstrukturen. Bis dahin muss das Gesetz noch Bundestag und Bundesrat passieren, doch Schenderlein verweigert einen Zeitplan. Lieber redet sie über „klare Verantwortlichkeiten“ und „verkürzte Entscheidungswege“. Was heißt das konkret? Stiftungsrat mit sechs Politikern, nur drei Vertreter aus dem Sport. Die Athleten bekommen kein Vetorecht, dafür die Kontrolle über Milliarden-Steuergelder.

Kritik bleibt laut – grüne sprechen von vertaner chance
Tina Winklmann, sportpolitische Sprecherin der Grünen, sieht darin keine Reform, sondern „Absicherung alter Machtstrukturen“. Safe Sport, Athletenmitbestimmung, unabhängige Beschwerdekammern – alles zu kurz gekommen. Der Verband Athleten Deutschland hadert mit dem Entwurf, der DOSB pocht auf „Augenhöhe“, und die Sportlervertretung fürchtet, künftig nur noch Statistinnen zu sein.
Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Seit Sydney 2000 ist die deutsche Olympia-Medallien-Quote um 28 Prozent gesunken. Schenderlein will den Trend stoppen, koste es was wolle. Ob Leipzig dafür der Heilige Gral ist, wird sich zeigen. Fest steht: Wer künftig Fördergelder will, muss sich an die Agentur wenden – und die berichtet direkt an das Bundesinnenministerium. Der DOSB wird zur Nebenrolle degradiert.
Der Machtkampf ist nicht vorbei, er verlagert sich nur. Im Herbst wird der Bundestag debattieren, dann zeigt sich, wer wirklich das Sagen hat. Bis dahin tickt die Uhr: Noch 1 300 Tage bis Los Angeles. Deutschland will zurück auf das Podest – mit oder ohne den alten Verbänden.
