Kabinett beschließt sportfördergesetz – leipzig statt frankfurt spaltet dosb
Endlich ist es passiert: Das Bundeskabinett hat am Mittwoch das neue Sportfördergesetz auf den Weg gebracht. Christiane Schenderlein, Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, spricht von einem Meilenstein für den deutschen Spitzensport. Doch hinter den Kulissen brodelt es. Die Entscheidung, die neue Spitzensportagentur nach Leipzig zu verlegen, stößt beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) auf harsche Kritik. Frankfurt wäre ihrer Meinung nach die bessere Adresse gewesen.
Leipzig statt frankfurt – ein alleingang der politik?
Otto Fricke, Vorstandsvorsitzender des DOSB, spricht von einem politischen Alleingang. Die Agentur soll unabhängig arbeiten – aber genau diese Unabhängigkeit wird durch den Standort Leipzig infrage gestellt, meint Fricke. Die Entscheidung sei spätestens im Parlamentsverfahren heftig zu diskutieren. Der DOSB hatte sich für Frankfurt stark gemacht, wo sich bereits viele Sportverbände konzentrieren. Doch die Politik hält an Leipzig fest – mit dem Argument, dort entstehe ein neues Kompetenzzentrum, das sich vom Machtgefüge des DOSB löst.
Die Agentur wird ab 2028 die komplette Spitzensportförderung übernehmen. Schenderlein verspricht: „Wir verkürzen Entscheidungswege und schaffen klare Verantwortlichkeiten.“ Doch genau das ist umstritten. Der Stiftungsrat, der die Agentur kontrollieren soll, besteht zu zwei Drittel aus Politikern – nur ein Drittel kommt vom organisierten Sport. Das ist für viele Verbände zu wenig Mitsprache.

Grüne sprechen von vertaner chance
Tina Winklmann, sportpolitische Sprecherin der Grünen, attackiert den Koalitionskompromiss frontal: „Das ist keine Reform, sondern die Absicherung alter Machtstrukturen.“ Safe-Sport-Themen, unabhängige Athletenvertretung, Transparenz – all das bleibe auf der Strecke. Auch Athleten Deutschland übt scharfe Kritik. Der neue Entwurf sei mutlos und hinterlässt ein Gefühl der Ohnmacht bei denen, die täglich Leistung bringen.
Die Athleten bekommen zwar mehr Geld – aber keine Stimme. Das ist das zentrale Problem. Während Schenderlein von Leistung und Potenzialen schwärmt, klagen Sportlerinnen und Sportler über fehlende Partizipation. Die neue Agentur wird zwar nach Leistungskriterien fördern, aber wer diese Kriterien definiert, darüber entscheiden weiterhin Politiker.
Der Weg ist noch lang: Bundestag und Bundesrat müssen zustimmen. Und dann beginnt der wahre Kampf – um Geld, Macht und Mitsprache. Die Sportwelt schaut genau hin. Denn wer in Zukunft gefördert wird, entscheidet sich nicht nur auf der Matte, der Bahn oder im Wasser. Sondern in Leipzig. Und da herrscht keine Olympia-Stimmung.
