Juventus setzt auf locatelli und mckennie – und denkt an vlahovic

Juventus Turin steckt in einer der unruhigsten Phasen seiner modernen Geschichte. Und trotzdem – oder gerade deshalb – trifft der Klub Entscheidungen, die mehr verraten als jede Pressemitteilung: Manuel Locatelli und Weston McKennie haben ihre Verträge bis 2030 verlängert. Kein Spektakel, keine Transferbombe. Nur zwei Unterschriften, die zeigen, wohin die Reise geht.

Warum gerade diese beiden als fundament dienen

Locatelli ist kein Glamourname mehr, der die Schlagzeilen dominiert. Aber er ist das, was Juventus gerade braucht: Verlässlichkeit im Mittelfeld, Präsenz, Verantwortung. McKennie hat sich in Turin neu erfunden – der Amerikaner, den viele schon abgeschrieben hatten, ist heute ein unverzichtbares Rädchen im Getriebe von Thiago Motta. Beide bis zum Ende des Jahrzehnts zu binden, ist keine Verlegenheitslösung. Es ist eine Aussage.

Das vlahovic-rätsel, das sich plötzlich neu stellt

Das vlahovic-rätsel, das sich plötzlich neu stellt

Und dann ist da noch Dusan Vlahovic. Der Serbe, der in dieser Saison unter einer merkwürdigen Gleichung leidet: Er wird stärker, je öfter ein anderer Stürmer spielt. Klingt paradox, ist es aber nicht – es ist die bittere Realität eines Mittelstürmers, der im falschen Moment auf dem falschen Platz steht. Juventus hat kaum Geld für einen echten Neuneiner auf dem Markt. Der Markt selbst hat kaum welche zu bieten. Was bleibt?

Der Journalist Marco Bucciantini brachte es auf den Punkt, indem er einen Begriff bemühte, der aus dem 19. Jahrhundert stammt und nichts von seiner Schärfe verloren hat: Realpolitik. Jene preußische Pragmatik, die moralische Bedenken beiseitelegt und das Machbare über das Wünschenswerte stellt. Vlahovic hat in dieser Saison polarisiert, hat Fragen aufgeworfen – über Einstellung, über Fitness, über Willen. Aber er ist da. Er ist unter Vertrag. Und er kann Tore schießen.

Realpolitik statt wunschdenken

Realpolitik statt wunschdenken

Juventus kann sich keine sentimentalen Entscheidungen leisten. Die Kasse ist nicht leer, aber sie ist eng. Und wer in dieser Lage anfängt, über den idealen Stürmer zu fantasieren, der in einem Jahr vielleicht verfügbar sein könnte, der verliert den Kontakt zur Gegenwart. Ein Gespräch mit Vlahovic über eine Vertragsverlängerung – oder zumindest über eine neue Rolle – ist keine Kapitulation. Es ist Vernunft.

Locatelli bis 2030. McKennie bis 2030. Und Vlahovic? Das Gespräch läuft noch. Aber die Richtung ist klar: La Vecchia Signora baut gerade nicht auf Träume, sondern auf das, was sie hat. Manchmal ist das die klügste Strategie von allen.