Juve-attacke ohne echten stürmer: spalletti rotiert sich in die sackgasse
Kein rechter Fuß, kein linker Fuß – nur viele falsche Neunen. In Udine schickte Luciano Spalletti seine Juventus ohne echten Torjäger aufs Feld, und die Konsequenz war ein Spiel voller Lauf, aber ohne Biss.
David und openda: die bank ist ihr neuer stammplatz
Jonathan David kam in der Nachspielzeit. Loïs Openda kam gar nicht erst. Der Kanadier gilt seit Wochen als „zweiter Stürmer“, der Belgier als „Tiefgangsspieler“, doch beide passen aktuell nur in PowerPoint-Präsentationen, nicht ins Spielfeld. Spalletti zog sie kurzerhand aus dem Kader der relevanten Optionen – ein Votum ohne Appeal.
Stattdessen probierte er erneut die falsche Neun, diesmal mit Kenan Yıldız. Der 19-Jährige versuchte sich 30 Minuten lang als mobile Spitze, wurde aber von Bijol und Perez physisch weggedrückt wie ein Tennisball gegen die Wand. Erst als Yıldız wieder ins halboffensive Zentrum rutschte, fand Juve rhythmisch statt nur läuferisch statt.

Milik zurück, vlahovic noch nicht da
Arkadiusz Milik saß 90 Minuten bereit, durfte aber nicht einmal aufwärmen. Der Pole ist nach seiner Knie-Operation zwar wieder klar, aber noch nicht scharf – ein Comeback gegen Sassuolo steht im Raum. Dusan Vlahovic? Trainiert, schmerzt, wartet. Spalletti kocht mit Wasser, bis der Serbe wieder durchpusten kann.
Die Notlösung hieß diesmal Boga, McKennie und Koopmeiners – allesamt Mittelfeldspieler, die sich in den Strafraum verirten. Die Statistik nach 34 Minuten: drei Ballgewinne im Zentrum, null Torschüsse aus der Box. Die Zahlen lügen nicht, sie flüstern: hier fehlt ein Killer.

Der knackpunkt: system über stürmer
Spalletti liebt flexible Laufwege mehr als feste Reffer. Das funktionierte in Neapel mit Osimhen, weil der Nigerianer selbst improvisierte und dabei Tore erzielte. In Turin haben weder David noch Openda diese Automatik. David ist technisch sauber, aber zu verspielt für die Zentrale; Openda lebt von Räumen, die eine tiefe Abwehrkette gar nicht bietet.
Beide wirken wie Quadrate in runden Löchern – passgenau, aber ohne Halt. Die Konsequenz: ein Sturm ohne Durchschlagskraft, eine Tabelle, in der Juve zwar verteidigt, aber nicht entscheidet.
Spalletti muss sich fragen lassen, ob seine Liebe zur fluiden Formation nicht den echten Strafraum-Fresser verdrängt. Denn irgendwann reichen auch die schönsten Laufwege nicht, wenn keiner den Ball über die Linie drückt. Die nächsten Tage zeigen, ob er umdenkt – oder weiterspielt, bis Vlahovic rettend eintrudelt.
