Juve versenkt sich selbst: drei verschossene elfmeter in serie kosten vier punkte
Drei Elfmeter, drei Fehlschüsse, vier Punkte weg – und ein Trainer, der am Rande des Nervenzusammenbruchs steht. Die Juventus dreht sich das Messer im Turin-Sassuolo selbst in die Rippen, während Sassuolo lacht und die Konkurrenz in der Serie A aufatmet.
Der elfmeter-fluch kehrt zurück
Jonathan David gegen Lecce, Kenan Yildiz gegen Cremonese, Manuel Locatelli gestern gegen Sassuolo: Die schwarz-weiße Elfmeter-Historie liest sich wie ein Horror-Script. Dazwischen nur ein Treffer in der Champions League gegen Galatasaray – ein Schluck Wasser in der Wüste, mehr nicht.
Die Statistik ist gnadenlos: Von sieben Saison-Penalties verwandelten die Bianconeri gerade vier. Drei Schüsse flogen ans Lattenkreuz, kratzten am Pfosten oder landeten in den Armen des Keepers. Kostete: vier Tabellenpunkte. In der Meisterschaft, in der sich Spalletti mit Milan und Inter ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefert, ist das der Unterschied zwischen Titeltraum und Champions-League-Quali.

Warum locatelli schoss, obwohl yildiz den ball hatte
Die Hierarchie war klar: Nach Verletzung von Dusan Vlahovic ist Locatelli nomineller Schütze. Doch auf dem Rasen zählt Realität, nicht Papier. Yildiz umklammerte den Ball, Locatelli kam dazu, beide tauschten zwei Sätze – und der Captain trat an. Spalletti erklärt das Geschehen so: „Wenn Locatelli den Elfmeter will, kriegt er ihn. Ich sag ihm: ‚Geh und sag dem Kenan, dass du schießt.‘ Das war’s.“
Klingt einfach. Ist es nicht. Denn zwischen „Ich will“ und „Ich darf“ klafft eine Lücke, die Gegner ausnutzen. Sassuolo-Keeper Consigli wusste vor dem Schuss, dass Locatelli in die rechte Ecne tendiert – und tauchte entschlossen ab. Sekunden später jubelte Muric mit dem 2:0 den Sack zu.

Die psychologie des strichs: ein klub ohne plan b
Elfmeter sind 80 % Kopf, 20 % Technik. Wer innerhalb von Sekunden zweifelt, hat verloren. Juve bietet momentan ein Lehrstück in Selbstblockade: Kein fester Ablauf, kein Ritual, keine Entscheidungskultur. Stattdessen: improvisierte Demokratie auf dem Punkt. Das Ergebnis: drei verschossene Nervenkiller in Folge – Rekendrama inklusive.
Spalletti reagiert mit Galgenhumor: „Soll ich etwa eine Genossenschaft gründen? Oder ein Referendum abhalten?“ Die Frage ist berechtigt. Denn wenn selbst der erfahrene Locatelli zittert, was soll dann ein Yildiz sagen, der nach drei Liga-Toren Selbstvertrauen tanken will?

Die nächsten gegner wittern morgenluft
Inter hat die Juve auf vier Punkte herangezogen, Milan ist nur einen dahinter. Das Restprogramm verspricht Spannung: Atalanta, Roma, Bologna – alles Teams, die in der Lage sind, die Turiner in die Knie zu zwingen. Und wenn da wieder ein Pfiff ertönt und der Schiri auf den Punkt zeigt, schwingt nicht nur der Ball, sondern auch das Damokles-Schwert über der Saison.
Spalletti muss handeln: Entweder er etabliert einen unumstößlichen Schützen mit kristallklarem Ablauf – oder er bannt den Elfmeter-Kreis komplett aus dem Training. Bis dahin bleibt die Juve ein Klub, der sich selbst sabotiert. Die Konkurrenz dankt und zählt die Punkte, die Turiner dagegen zählen die Fehlschüsse. Und die werden immer teurer.
