Joana hählen wirft nach vier kreuzbandrissen das handtuch: «ich habe euch geliebt»

Als sie in Soldeu über die Ziellinie raste, spürte Joana Hählen keinen Adrenalinschub, sondern nur eine klare Gewissheit: jetzt ist Schluss. Die 34-jährige Bernerin verkündet am Sonntagabend via Instagram das Karriereende – und damit das Aus für eine der zähesten Comeback-Geschichten des alpinen Weltcups.

13 Jahre, 166 Rennen, fünf Podestplätze – und vier zerrissene Kreuzbänder. Die Bilanz liest sich wie ein Krimi, in dem die Heldin immer wieder aufsteht, nur um erneut umzuknicken. 2011, 2014, 2018 und zuletzt 2024 rissen die Fasern, das Knie wurde zur Achillesferse ihrer Träume. „Nach dem letzten Mal habe ich alles investiert, aber mein Körper hat Nein gesagt“, schreibt Hählen. Die Worte klingen, als hätte sie sie schon laut im Kopf vorgelesen.

Die zahlen, die mehr sagen als jedes statement

166 Weltcupstarts, 5 Podien, 0 Siege. Klingt ungleich. Doch wer die Speed-Strecken der letzten Dekade verfolgte, weiß: Hählen war die Konstante im Ungewissen. Sie fuhr keine Show, sie fuhr sich frei. Ihre beste Platzierung: Rang zwei in Garmisch 2020, drei Tage nachdem sie wieder laufen konnte, ohne dass das Knie wegsackte. Damals sprach niemand vom Podest, alle sprachen vom Wunder.

Die Schweizer Ski-Union reagiert mit einer Schweigeminute im WhatsApp-Verbund. „Wir verlieren eine Kriegerin“, sagt Sportchef Roman Pfiffner. Marco Odermatt postet ein Foto aus der Kindheit: er als Bubenzipfel, sie bereits mit riesigem Helm. „Ohne Joana kein Wir“, schreibt Mikaela Shiffrin. Lindsey Vonn nimmt das Telefon und sagt nur: „Sie hat mir gezeigt, dass Aufgeben keine Niederlage ist.“

Warum der abschied kein happy end braucht

Warum der abschied kein happy end braucht

Hählen selbst will keine Tränen-Show. Sie wird künftig als Mentalcoach für Junioren arbeiten, außerdem studiert sie Sportpsychologie – in Vorlesungen, wo niemand fragt, wie schnell sie die Streif runterkommt. „Ich habe keine Antwort auf das Warum“, sagt sie am Telefon. „Aber ich habe das Wie überlebt.“

Die Saison endet in zwei Wochen in St. Moritz. Wer genau hinsieht, entdeckt auf ihrer Helmsohle ein kleines Tattoo: ein Kreuzband, durchgestrichen. Es ist keine Provokation, sondern ein Erinnerungsstück an ein Leben, das sich nicht an Siegen, sondern an Wiederauferstehungen maß. Wer fragt, was bleibt, bekommt keine Antwort in Form von Medaillen. Die bleibt: ein Knie, das nie wieder vollständig gerade steht – und ein Lächeln, das endlich wieder aufrichtig ist.