Jena verspielt 45 minuten fußball-kontrolle und einen ganzen herbst

Am Ende klatschten die 2.400 im Ernst-Abbe-Sportfeld nur noch die Hände über den Kopf zusammen, weil sie nicht wussten, ob sie lachen oder heulen sollen. Carl Zeiss Jena dominierte den Thüringer Nachbarn ZFC Meuselwitz 45 Minuten lang wie eine College-Mannschaft ein Freundschaftsspiel – und verlor trotzdem 1:2. Die Quittung für 21 Torschüsse, zwei Aluminiumtreffer und sieben Hundertprozentige in der ersten Hälfte: ein Last-Minute-Gegentor in der 90. Minute. Trainer Volkan Uluc fand hinterher das Wort, das kein Coach freiwillig gebraucht: „Ein Alptraum.“

Uluc findet die worte – und sie tun weh

„Ich habe selten eine Halbzeit erlebt, in der wir Hochkaräter im Minutentakt haben und trotzdem mit leeren Händen dastehen“, sagte Uluc, während seine Stimme zwischen Erstaunen und blanker Verzweiflung schwankte. Der Coach listete auf, was seine Mannschaft alles richtig machte: Pressing, Räume, Laufwege, Ballbesitz. Die einzige Variable, die nicht funktionierte, war das Ergebnis. „Wenn du so auftrumpfst und am Ende den Gegner siegst, fragst dich das Team, fragst du dich selbst: Was müssen wir denn noch tun?“

Die Antwort lieferte Georg-Martin Leopold auf der Gegenseite. Der ZFC-Coach gab offen zu: „Zur Pause hätte es 4:0 stehen müssen.“ Stattdessen stand es 0:0 – und das, obwohl Jena bereits nach 180 Sekunden zwei Mal den Pfell traf. Leopold hatte seine Mannschaft in der Kabine umgestellt, das Mittelfeld enger geschnürt und die Räume, die Jena zuvor wie Autobahnen hatte, auf einspurige Landstraßen zusammengestutzt.

Ein tor reicht – und ein kopf sinkt

Ein tor reicht – und ein kopf sinkt

Maxim Hessel brachte Jena in der 56. Minute in Führung, doch die Erleichterung währte nur 600 Sekunden. Florian Hansch glich aus, und die Blau-Gelben schlichen fortan wie Betaubte über den Rasen. Die Statistik sprach Bände: elf Torschüsse nach der Pause, keine zählbaren. Dann, in der 90. Minute, der Schock: Luis Fischer schob ein, was Uluc als „verdiente Strafe“ bezeichnete – für vergeudete Großchancen und mentale Brüche.

Die Niederlage wirft Jena auf Platz drei zurück, sieben Punkte hinter Lok Leipzig – bei einem Spiel mehr. Uluc sprach kurz vom Aufstieg, schob dann aber einen Satz hinterher, der länger nachhallt: „Wenn wir so weiterspielen, spielt der Aufstieg gar keine Rolle.“ Es klang nicht wie Motivation, sondern wie eine Diagnose.