Jena schreibt pokal-märchen – jetzt soll der hsv dran glauben

Olivia Alcaide traf dreimal in neun Minuten, die Uhr hatte 87:12 gezeigt – da war das Halbfinale schon besiegelt. Der FC Carl Zeiss Jena tanzte, der SC Sand taumelte. 4:1. Thüringen atmete, der Abstieg soll jetzt schlucken.

Der pokal schubst jena aus dem schneckenhaus

Florian Kästner sprach es aus, was alle dachten: „Wir wollen nicht mehr nur hinten rumdümpeln.“ Seit Wochen ging nichts mehr, 2:15-Tore in drei Liga-Spielen, Tabellenende, Frust. Dann kam der Mittwoch, kam Alcaide, kam der alte Funke zurück. „Das ist ein Riesending“, sagte Kapitänin Merza Julevic und klang wie ein Fan, der gerade erkannt hat: Mein Verein lebt noch.

Die Zahlen lügen nicht: 16 Liga-Tore in 18 Partien – das ist der schwächste Angriff der Bundesliga. Im Pokal schoss Jena schon acht. Die Lösung? Einfach mal das trainieren, was man sich in der Liga verwehrt. „Wir haben Offensivaktionen geprobt, die ganz gut liefen“, sagt Melina Reuter. Klingt banal, wirkt aber. Die Sand-Abwehr wirkte wie ein Vorhang, der plötzlich hochging – und dahinter standen nur noch grün-weiße Sturmhauben.

Kellerduell mit turbo: sonntag gegen hamburg

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Nun der Ernstfall. Sonntag, 15. März, 14 Uhr, Ernst-Abbe-Sportfeld. Der HSV wartet, fünf Punkte Vorsprung auf Jena. Im Oktober trennte man sich 1:1, Rieke Tietz rettete in der 89. Minute. Jetzt wollen die Thüringerinnen den Gegner endlich hinter sich lassen – und wissen: Ein Sieg würde den Rückstand auf zwei Punkte schmelzen, die Restsaison öffnen sich wie eine Tür.

Trainer Kästner will „mutig angreifen“. Keine Rückwärts-Pässe mehr, kein Zögern. Die Vorbilder? Bayern-Remis 0:0, knappes 1:3 gegen Wolfsburg. Im Pokal sogar Auswärtssieg beim Double-Sieger. „In einem Spiel kann viel passieren“, sagt Julevic und lächelt wie jemand, der das Skript schon kennt.

Das Halbfinale steigt Osterwochenende gegen den VfL Wolfsburg. Doch vorher zählt nur Hamburg. Die Stadt, die Jena im Oktober noch Rettung schenkte, soll nun selbst ins Straucheln geraten. Die Rechnung ist einfach: Wer den Pokal-Mut mitnimmt, braucht kein Wunder – nur 90 Minuten, in denen das Schneckenhaus endgültig zerbröckelt.