Jena fegt sand aus dem pokal und wacht aus dem alptraum

Die Nacht von Carl Zeiss Jena war ein Schlag in die Magengrube des SC Sand – und zugleich der lauteste Weckruf, den die Zweitliga-Frauen je verschickt haben. 4:1 im Viertelfinale, erstmals seit 16 Jahren wieder Halbfinale, und plötzlich steht das Ernst-Abbe-Sportfeld nicht mehr für Abstiegsangst, sondern für die Frage: Warum nicht gleich der Pokal?

Olivia alcaide brennt sand nieder

Rio Takizawa hatte den Gästen noch Hoffnung gemacht, als sie kurz vor der Pause den Ball aus 30 Metern in den Giebel donnerte. Doch die Hoffnung hielt nur 23 Minuten. Dann kam Olivia Johansson Alcaide, 23 Jahre alt, bislang eher für Härte denn für Hattricks bekannt. Erst tunnelte sie Sand-Keeperin Rebecca Rütten, dann pflückte sie einen katastrophalen Rückpass herunter, schließlich umkurvte sie die komplett verunsicherte Abwehr – drei Mal klingelte es, drei Mal brach der Platz auseinander.

Die Zahlen sind schonungslos: Sand kassierte in 17 Minuten drei Gegentore, Jena verwandelte 60 Prozent seiner Torschüsse. Die Statistik spricht eine klare Sprache: Wer so effizient ist, der darf träumen.

Der abstiegskampf bekommt einen neuen soundtrack

Der abstiegskampf bekommt einen neuen soundtrack

Morgen heißt der Gegner HSV, danach geht es gegen Köln. Beide Spiele waren vor dem Pokal-Knall schon Endspiele, jetzt sind sie Tanzflächen. „Wir haben bewiesen, dass wir Tore schießen können, wenn der Druck am größten ist“, sagte Kapitän Nelly Juckel, und man hörte das Selbstvertrauen, das in den letzten Wochen wie ein leerer Tank gewirkt hatte.

Die Fans auf der Haupttribühne skandierten nach dem Abpfiff nicht „Klassenerhalt“, sie skandierten „Berlin, Berlin“. Denn genau dorthin führt der Weg am 1. Mai, ins Finale im Olympiastadion. Die Rechnung ist simpel: Wenn Jena dort steht, ist der Abstieg nur noch ein Gespenst aus alten Zeiten.

Trainerin Christiane Pfeil warnte sofort vor Euphorie-Überschwang, aber ihre Augen verrieten sie. Sie weiß: Ein Hattrick reicht nicht, um eine Saison zu retten. Aber er reicht, um eine Mentalität zu verändern. Und genau das ist der echte Gewinn dieses Abends.