James rodríguez: vom wm-star zum wanderer – und zurück?

Miami – Erinnern Sie sich noch an das Halbfinale der WM 2014? James Rodríguez, damals ein Wirbelwind im weißen Trikot Kolumbiens, schoss sein Team mit sechs Toren ins Rampenlicht. Jetzt, fast ein Jahrzehnt später, steht er am Rande des neuen WM-Zyklus – und es ist eine Geschichte von Höhen, Tiefen und einem ungewöhnlichen Weltreise-Abenteuer.

Die ersten falten und das verlorene rampenlicht

Die ersten falten und das verlorene rampenlicht

Die ersten grauen Haare um seinen Bart verraten, dass die Zeit nicht stillsteht. James Rodríguez ist nicht mehr der 21-jährige Junge, der 2014 die Welt im Sturm eroberte. Der unbändige Ehrgeiz ist zwar noch da, aber das Gesicht trägt die Spuren eines bewegten Lebens. Das ist nicht der James von damals, aber es ist auch nicht weniger beeindruckend.

Während die Journalisten aus Kolumbien bei jedem scharfen Schuss aus der Distanz reflexartig „Gol de James!“ schreien – eine Gewohnheit, die aus besseren Zeiten stammt – prallt der Ball oft ab oder wird von einem aufmerksamen Torwart entschärft. Doch der linke Fuß, der einst so präzise und kraftvoll war, ist immer noch da. Und die Leidenschaft für den Fußball, die ihn antreibt.

Gegen Portugal zeigte James eine starke Leistung, bereitete den Treffer für Arias vor und traf das Tor selbst. Aber wo war er all die Jahre hinweg? Nach seinem glanzvollen Auftritt bei Real Madrid, wo er von Florentino Pérez die Wahl zwischen dem Geld von PSG und City und der „Ehre“ im weißen Trikot angeboten bekam – er entschied sich für die Ehre – begann eine ungewöhnliche Reise.

Bayern München war ein Zwischenstopp, dann folgten Everton, Al Rayyan, Olympiakos, San Paolo, Rayo Vallecano, Leon und schließlich Minnesota United. Eine Odyssee durch den Fußball-Kosmos, in der er nie länger als 35 Spiele für einen Verein spielte. Ein ewiger Wanderer, der von Katar bis Griechenland, vom Brasilien bis Spanien und schließlich nach Mexiko führte.

Cristiano Ronaldo, ein Vorbild

Die USA scheinen nicht das endgültige Ziel zu sein – vielleicht noch ein Abstecher nach Kolumbien, bevor es wirklich zu Ende geht – aber sie passen zu James. Mit 35 Jahren ist er eine bekannte Persönlichkeit in der amerikanischen Liga und versucht nun, auch die Weltmeisterschaft mitzugestalten, so wie 2014 in Brasilien. Damals erzielte er sechs Tore, darunter das atemberaubende Volley gegen Uruguay, das ihm den Puskás-Preis einbrachte. Ein Moment, der ihn für immer in die Fußballgeschichte eingehen ließ.

In der Nacht zum Sonntag traf er sich kurz mit Cristiano Ronaldo, einem alten Bekannten aus Madrid. „Cristiano ist ein großartiger Freund“, sagte James. „Wir haben über alte Zeiten gesprochen. Er ist ein Vorbild für uns alle, man muss nur auf seinen Körper schauen, was er mit 41 Jahren noch alles leisten kann.“

Während Ronaldo zu einem Symbol für den hyperathletischen Fußball des 21. Jahrhunderts geworden ist, ist Rodríguez eher ein Hologramm aus der Vergangenheit, ein klassischer Zehner, wie es ihn heutzutage kaum noch gibt. Aber er hat sich auf diesen WM-Zyklus vorbereitet, als ob es seine letzte Chance wäre. Die ersten Tränen beim Spiel gegen Usbekistan in Mexiko zeigten, wie viel ihm dieses Turnier bedeutet. Mit 35 Jahren beweist er, dass er immer noch zur Weltspitze gehört und sich noch immer von der Magie des Fußballs verzaubern lässt.