Italiens wm-traum beginnt in zenica: donnarummas nacht von 2019 wird zur gebrauchsanweisung

15.600 Bosnier werden Donnarumma anbrüllen, Tonali wird jeden Zweikampf auspfeifen und Barella den Rasen verfluchen – genau das erwartet die Azzurri am Dienstag im Bilino Polje, wo der Weg zur WM 2026 beginnt oder endet.

Die nacht, die italien weiterschickte

Der 15. November 2019 ist kein Datum, sondern ein Seismogramm. Belotti, Acerbi, Insigne – sie schossen die Elf im weißen Trikot mit drei Toren aus dem Playoff-Wahn. Damals war das Stadion in Zenica ein Durchgangsort, heute ist es eine Falle. Die Kurven stehen kopf seit die Bosnier am Donnerstag gegen die Ukraine das Ticket klauten. Jetzt wollen sie Italien als Trophäe.

Die 15.600 Tickets waren in 90 Minuten weg, die FIFA hätte doppelt so viele verkaufen können. Die Clans aus Sarajevo, Mostar und Tuzla fuhren durch die Nacht, Hupkonzerte vor den Hotels inklusive. Italiens Bus brauchte eine Eskorte, nicht aus Protokoll, sondern aus Angst vor dem Schneegestöber aus Lärm.

Donnarumma, tonali, barella: das gedächtnis der mannschaft

Donnarumma, tonali, barella: das gedächtnis der mannschaft

Sie sind die einzigen Überlebenden von 2019. Donnarumma erinnert sich an den Kunstrasen, der sich unter den Stollen wie Kaugummi verhakte. Tonali weiß, dass jeder Meter Raum erkämpft werden muss, weil die Mittellinie in Zenica schon als Torraum gilt. Und Barella? Der wird den Rasen kennen, der Cristiano Ronaldo 2015 die Sprachlosigkeit bescherte. „Weißes Feld“ heißt das Stadion – sauber ist nur die Hälfte wahr.

Die Bosnien-Elf hat seit 2014 keine WM geseht, Italien seit 2014 auch nicht. Beide gelten als krank, beide wollen die Diagnose widerlegen. Die Quoten für einen Azzurri-Sieg stürzen seit Tagen – nicht weil Italien besser spielt, sondern weil die Buchmacher wissen: In Zenica zählt nicht Qualität, sondern Gier.

Der Schiri pfeift um 20.45 Uhr, die Temperatur bei vier Grad. Dann wird Donnarumma nicht mehr parieren, er wird fliegen müssen. Tonali wird nicht passen, er wird beißen. Und Barella wird nicht dribbeln, er wird knien. Wer nach 90 Minuten noch Luft hat, der fährt im Dezember nach Katar. Der Rest fliegt nach Hause – und träumt von einem Feld, das nicht weiß, sondern leer ist.