Italiens wasserball-damen bekommen einen neuen chef – und der kennt sich mit bruchlandungen aus
65 Jahre alt, unzählige Vereinsstationen, vierter Platz als Letzter – und jetzt Auftrag Olympiasieg: Maurizio Mirarchi übernimmt das Frauen-Nationalteam und muss aus einer Enttäuschung eine Medaille machen.
Warum der verband jetzt rüttelt
Sechster Platz in Paris, kein Finale seit 16 Jahren – das reichte. Präsident Paolo Barelli zog die Notbremse und trennte sich nach fünf Jahren von Carlo Silipo, obwohl der zweimal Bronze geholt hatte. Die Devise: 2028 in Los Angeles will Italien endlich wieder aufs Podest, und dafür braucht es jemanden, der aus jungen, ungestümen Teams etwas Reifes zaubern kann.
Mirarchi passt ins Raster. Er baute die U-20-Weltmeisterinnen auf, coachte zuletzt Triestes Männer in der Serie A1 und gilt als Stratege mit Hang zur »aggressiven, dynamischen Pallanuoto«. Seine Frauen-Ära beginnt mit einem Schlag: 1. bis 6. Mai wartet in Rotterdam schon das World-Cup-Gruppenspiel gegen Olympia-Dritte Niederlande, Australien und Griechenland – ein Vorgeschmack auf die erwartbare Härte 2028.

Der clan hinter dem coach
Wer Mirarchi sagt, meint eine Dynastie. Sohn Cristiano spielte im Settebello, Sohn Massimiliano gewann in Kalifornien den NCAA-Titel, Tochter Veronica lief für die A-Nationalmannschaft auf. Papa wird künftig auch Papa auf der Tribüne sein – und das weiß er. »Meine Familie lebt diesen Sport 24 Stunden am Tag«, sagt er, »das kann Fluch und Segen sein.«
Seine erste Maßnahme: Volarevic und Manzetti, bisher reine Torwart-Trainer, rücken als Co-Trainer auf die Bank. Psychologische Kompetenz wird zur Chefsache, nachdem die Athletinnen in Paris vor allem an inneren Zügen kapitulierten.
Was er wirklich verändert
Silipo etablierte eine solide Defensive, aber das Spiel stagnierte. Mirarchi will Tempo, will Gegenstoß, will Wechsel bis zur Erschöpfung. Der Beweis folgt schon dieses Wochenende bei der Coppa-Italia-Final Six in Neapel – er schaut genauer hin als je zuvor, um sein Kader für Rotterdam zusammenzustreichen.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit 2004 wartet der Setterosa auf eine Olympiamedaille. Bei fünf Anläufen kam nur Platz sechs heraus. Mirarchi muss diese Serie brechen – mit 65 Jahren und dem Ruf, aus Rohdiamanten funkelnde Edelsteine zu schleifen. Die Uhr tickt laut. Die Liga schaut. Und Italien wartet darauf, dass endlich wieder ein Trainer die Wasseroberfläche spalten kann.
