Strelow bricht sich den finger – und die dsv-staffel zieht mit nur fünf läufern nach finnland
Justus Strelow schraubt sich nicht in den Flieger nach Kontiolahti. Stattdessen sitzt der 26-Jährige zu Hause, Daumen und Zeigefinger in Gips – ein Bruch, der die deutsche Weltcup-Auswahl auf ein Minimum schrumpfen lässt. Ab Donnerstag startet das Finale-Triple der Saison, und das DSB-Team reist mit nur fünf statt sechs Athleten pro Geschlecht an.
Der Zeitplan ist rücksichtslos. Wer jetzt ausfällt, verpasst nicht nur Starts, sondern auch Punkte fürs Gesamtweltcup-Konto und Startrecht für Oslo. Felix Bitterling, Sportdirektor und oberster Krisenmanager, musste die Nominierung kurzfristig umbiegen: „Justus hat sich den Finger gebrochen, Anna Weidel liegt mit Infekt flach, und unser IBU-Cup-Team ist in Soldier Hollow. Eine Ersatznominierung war logistisch unmöglich.“
Statt stars setzt bitterling auf tagesform
Die Konsequenz: ein Kader ohne Superstar, dafür mit fünf Kampfmaschinen. Bei den Frauen laufen Vanessa Voigt, Janina Hettich-Walz, Selina Grotian, Julia Tannheimer und Marlene Fichtner. Bei den Männern sind es Philipp Horn, Philipp Nawrath, David Zobel, Lucas Fratzscher und Leo Pfund – für Letzteren eine Art Premiere: Der 22-Jährige feierte seinen letzten IBU-Cup-Sieg vor einer Woche und darf nun gegen die Großen ran.
Voigt, Olympia-Vierte von Antholz, klingt wie vor der Schlacht: „Ich will dieses letzte Trimester richtig angreifen. Die Kraft ist da, jetzt muss nur noch das Schießen stimmen.“ Horn, der im Massenstart von Milano knapp die Medaille verpasste, steckte danach eine Erkältung weg und schielt auf die Schießbahn: „Da will ich anknüpfen, wo ich aufgehört habe.“

Medaillen-fluch und podest-chancen
Die Bilanz nach Olympia mag mager wirken: nur eine Medaille – Bronze im Damen-Einzel durch Voigt. Bitterling wehrt sich gegen den kollektiven Selbstmord der Kommentatoren: „Wir teilen diese Weltuntergangsstimmung nicht. Unsere Leute haben Bestleistungen abgerufen, nur fehlten Zentimeter oder ein Schuss.“ Seine Prognose klingt nüchtern, aber nicht hoffnungslos: „Wir haben keinen Fourcade oder Neuner, aber wir haben fünf Athleten, die an guten Tagen aufs Podest laufen.“
Ob diese Tage schon in Finnland anbrechen, entscheid sich an vier Wettkampftagen: Einzel am Donnerstag und Freitag, Staffel und Massenstart am Wochenende. Wer jetzt punktet, sichert sich Startplätze für Oslo. Wer verpasst, fliegt heim – und träumt vom nächsten Winter. Für Strelow heißt das: Daumen drücken – mit dem ungebrochenen Finger.
