Italiens rollstuhlcurler schlagen südkorea und ließen cortina jubeln

Cortina d'Ampezzo brüllte, bevor die Fackel überhaupt angezündet wurde. Mit einem 7:5 gegen den Weltranglistenersten Südkorea eröffneten Orietta Berto und Paolo Ioriatti die Winter-Paralympics 2026 – zwei Tage vor der offiziellen Zeremonie. Die Bahn war noch kalt, die Tribüne halb leer, aber die Stimmung war laut genug, um die Dolomitengipfel wachzurütteln.

Die sensation war perfekt – und sie kam aus dem nichts

Die sensation war perfekt – und sie kam aus dem nichts

Platz 16 bei der WM, Rang neun im Ranking: Berto/Ioriatti galten als Statisten. Doch schon nach dem dritten End zogen sie den koreanischen Favoriten Park/Jung ins Zwergenrennen. Der entscheidende Take-out im siebten End ließ den kleinen Fanblock mit 175 Zuschauern erbeben – ein Sound, der sich durchs ganze Ampezzo-Tal fräste. Die Koreaner hatten keine Antwort, ihr letzter Draw landete zu weit außen. 7:5 – fertig.

Während Italiens Trainer Massimo Bettin noch nach Worten rang, lieferte China das nächste Kuriosum. Das Team um Wang und Zhang schlug den Weltmeister Japan 10:3 – ein Ergebnis, das in der Rollstuhl-Curling-Szene so selten ist wie Schnee im April. Die Asiaten spielten mit dem Selbstvertrauen von Teenagern, die das erste Mal das Auto der Eltern entführt haben: schnell, unbekümmert, gnadenlos.

Dabei hatte der Wettkampf kaum begonnen, da schon der erste Skandal die Kameras anzog. Zwei Steine aus dem offiziellen Vierer-Set waren entwendet – mitten aus der Arena. Die Carabinieri ermitteln wegen Diebstahls, World Curling bestätigte den Vorfall auf Anfrage. Ersatzsteine retteten den Start, doch die Frage bleibt: Wer klaut schon Curlingsteine, und warum ausgerechnet die für das neue Mixed-Doubles-Format?

Die Antwort könnte im neuen Modus liegen. Mixed Doubles ist seit dieser Ausgabe im Programm, spannender, schneller, TV-tauglicher. Die Teams spielen eine Round Robin in Zehnergruppen, nur die Vier besten rutschen ins Halbfinale. Neben dem Doppelwettbewerb wird auch das klassische Mixed-Team ausgetragen – zwei Disziplinen, doppelt Medaillen, doppelt Druck. Deutschland ist in keinem der beiden Felder vertreten; der Deutsche Behindertensportverband hatte die Qualifikation knapp verpasst.

Für Italien ist der Sieg mehr als ein Punktegewinn. Er ist ein Signal an die eigene Bevölkerung, dass diese Spiele keine reine Ausrichtung ohne Eigenanteil werden. Die Bahnen von Cortina liegen im Schatten der Tofane, wo 1956 schon Olympia gefeiert wurde. Jetzt, 70 Jahre später, schreibt ein Rollstuhl das nächste Kapitel – und die Heimmannschaft hat die erste Seite schon mit Goldstift unterschrieben.