Aachen rutscht schweinfurt die punkte ab – gindorf trifft, doch die lücke bleibt

Die Alemannia hat gewonnen, aber sie hat nicht überzeugt. 1:0 gegen den Tabellenletzten, der seit 630 Minuten auf einen Sieg wartet – das ist kein Freifahrtschein, sondern ein Alarmsignal.

Lars Gindorf schraubt seine persönliche Bilanz auf 18 Saisontore, doch die Statistik neben ihm liest sich wie ein Offensivkrimi: vier klare Großchancen, zwei Aluminiumtreffer, ein verschossener Nachschuss. Der 13.-Minuten-Streich rettete drei Punkte, nicht das Gesicht.

Co-trainer trenz steht auf dem rasen, selimbegovic im fernsehzimmer

Ilyas Trenz musste die Kommandozentrale übernehmen, weil Mersad Selimbegovic wegen seiner Roten Karte gegen Mannheim auf der Tribune saß. Die Umstellung war spürbar: mehr Lautstärke, wenig Struktur. Die Viererkette rückte in der ersten Halbzeit dreimal zu weit aus, Schweinfurts Forkel nutzte die Lücken, scheiterte aber an Marius Kaffenberger oder am Pfosten.

Die personelle Notlage zwingt Trenz zu Roulette. Gaudino und Loune fehlten gesperrt, Wegmann und Wiebe wurden geschont – oder geschont? Die Antwort liefert die zweite Halbzeit: nur zwei Torschüsse nach der Pause, keiner mit xW über 0,25. Das ist kein Rotationsglück, sondern Substitutionsnot.

Schweinfurt tankt selbstvertrauen im unterbau

Schweinfurt tankt selbstvertrauen im unterbau

Die Schnüdel verloren erneut, aber sie verloren nicht die Kontrolle. Nach der 68. Minute dominierten sie die Zweikampfquote, gewannen 57 % der Luftduelle und erzwangen drei Standards in Folge. Trainer Florian Hahn stellte auf eine 3-5-2 um, schob Trslic als falschen Neuner vor die Kette – und plötzlich wirkte Aachen wie das Schlusslicht.

Die Tabelle lügt nicht: Schweinfurt bleibt bei elf Zählern, Aachen springt auf 38. Die Distanz zur Abstiegszone beträgt zwar elf Punkte, doch das Polster besteht aus zwei Siegen und viel Glück. Beim Blick auf die Restprogramme (Aue, Dortmund II, Freiburg II) schrumpft das Prozentmodell der Rettung auf 64 % – laut Opta vor dem Spiel noch 78 %.

Die zahlen, die niemand hören will

Die zahlen, die niemand hören will

Die Alemannia erzielte in den letzten fünf Heimspielen nur vier Tore aus dem Spiel heraus. Gindorf steuerte drei davit bei, ohne ihn stünde der Club auf einem Abstiegsplatz. Die Passquote in die Spitze sank gegen Schweinfurt auf 62 % – unter 65 % verliert Aachen in dieser Saison 80 % der Punkte.

Und die Fans? 14 217 Zuschauer schalteten nach dem Seitenwechsel in einen Dauergesang über, aber die Kurve verstummte in der 83. Minute, als Castelle frei vor Stahl den Deckel nicht draufmachte. Die Stimmung kippte von Jubel zu Jubel-auf-Raten.

Nächste Woche geht’s nach Aue – ein Ort, an dem Aachen in den letzten neun Jahren nur einmal gewann. Die Alemannia mag sich elf Punkte über dem Strahl wähnen, doch die Rechnung ohne Gindorf ist eine andere Liga. Wenn der Dämpfer in der Erzgebirgshalle genauso dumpf klingt wie gegen Schweinfurt, wird aus der Momentaufnahme schnell eine Abwärtsspirale. Die Klasse ist noch nicht sicher, nur das Tor noch nicht gefallen.