Berlin recycling volleys kassieren in piacenza eine historische lehrstunde

Die BR Volleys wollten nach zehn Jahren endlich wieder CEV-Cup-Luft schnuppern – und atmeten bereits nach 74 Minuten durch die Maske. Gas Sales Bluenergy Piacenza zerlegte den deutschen Serienmeister mit einem 0:3, das noch höher hätte ausfallen können. 17:25, 14:25, 18:25 – diese Zahlen brennen sich in die Berliner Statistik ein wie ein Brandmal.

Italiens blockwand lässt berlin keine chance

Trainer Michał Winiarski stellte um, rotierte, versuchte es mit drei Diagonal-Wechseln in Satz zwei – nichts fruchtete. Piacenzas Mittelblock um Roberto Russo und Marko Podrascanin stand wie eine Betonmauer, die Annahme der Hauptstädter zerschellte daran. Bei 0:2 und 8:15 schwapptem erste Pfiffe durch die Paul-Heyse-Sporthalle, ein Sound, den selbst langjährige Volley-Kenner so nicht kannten. Die Berliner Fangruppe „Eastside Volleys“ verstummte nach dem zweiten Satz komplett. Das sagt alles.

Die Statistik ist gnadenlos: nur 27 % Angriffserfolg, zwei Asses bei gleich fünf Aufschlagfehlern, kein einziger Satzball. Und das, obwohl Piacenza auf seinen kroatischen Superstar Petar Đir verzichtete – Muskelprobleme. Ersatzmann Luca Porro spielte sich mit 15 Punkten und 71 % Effizienz formlich in die Startsechs.

Lüneburg dagegen: pokal-euphorie als turbo

Lüneburg dagegen: pokal-euphorie als turbo

Während Berlin taumelt, braut sich im Norden neuer Selbstglauben zusammen. Die SVG Lüneburg schlug Stade Poitevin nach souveräner Vorstellung mit 3:1 – nur 96 Stunden nach dem ersten Pokalsieg der Vereinsgeschichte. Julian Rößler war mit 22 Punkten der sichere Anker, Moritz Reichert servierte zum 25:14 im vierten Satz drei Asse hintereinander. Die Franzosen wirkten wie versteinert.

Jetzt heißt es: Hinspiel-Vorsprung verteidigen. Am Dienstag (20.00 Uhr) in Poitiers reicht Lüneburg auch eine 2:3-Niederlage – dann entscheidet der Gold-Satz. Für Stefan Hübner ist das kein Freifahrtschein: „Wir fahren nicht zum Verlieren. Wer jetzt denkt, der Job ist erledigt, hat nichts verstanden.“

Berlin steht mit dem rücken an der wand – und am abgrund

Berlin steht mit dem rücken an der wand – und am abgrund

Die Rechnung ist simpel: Entweder die BR Volleys drehen am Mittwoch in der Emilia-Romagna ein 3:0 oder 3:1 – oder die Europaträume platzen vorzeitig. Seit 2016 wartet der Klub auf den zweiten internationalen Titel, doch die Ausgangslage ist verheerend. Piacenza verlor zuletzt am 8. Februar, daheim sind die Italiener seit 23 Partien ungeschlagen. Die Quote, dass Berlin die Kiste noch dreht, liegt bei 14 % – liefert von Buchmachern, nicht von Fans.

Und noch ein Problem: Kapitän Benjamin Patch zog sich eine Adduktoren-Reizung zu, Einsatz fraglich. Ohne seinen Aufschlagdruck wird die Aufgabe noch größer. Manager Kaweh Niroomand sprach von einem „Blackout“ und kündigte interne Konsequenzen an. Die nächsten 48 Stunden entscheiden über die Saison.

Deutscher Volleyball also gespalten: Lüneburg fliegt auf Wolke Sieben, Berlin droht der Absturz in die Bedeutungslosigkeit. Die CEV-Cup-Uhr tickt – und sie tickt laut.