Italiens fecht-bund schreibt geschichte: mixed-team aus olympioniken und autistischen athleten fordert die welt heraus
Rom – 15 Nationen, ein Epple-Gymnasium in Trägerschaft der FIS, ein Hauch von Revolution: Mit der Runde „Fencing for All“ hat Italiens Fechtverband der Internationalen Fechtunion FIE ein soziales Großprojekt aufgezwungen, das nicht nur die Pedane, sondern die komplette Sportwelt beschäftigt.
Was gestern noch Pilotcharakter hatte, ist heute offiziell Exportmodell: gemischte Säbelfechter-Teams, in denen Olympiasieger neben Sportlern mit Autismus und intellektueller Behinderung kreisen. FIE-Generalsekretärin Gulnora Saidova unterschrieb sofort, 15 Verbände buchten den Flug nach Rom, und der Neuro-Pädiater Luigi Mazzone, seit drei Jahren Präsident der Federscherma, durfte das erste Mal sagen: „Das ist kein Test mehr, das ist die DNA unserer Zukunft.“
Mazzones rechenfehler, der alle gewinnen lässt
Der Trick: Statt Therapie-Modulen wird reiner Wettkampfmodus geschaltet. Punkte zählen, Platzierungen auch. Nur die Teamzusammensetzung ist neu. Ergebnis: Die athleten mit Beeinträchtigung fordern die Neurotypiker technisch, die Profis geben den Takt vor taktisch. Beide Seiten profitieren, niemand muss sich herablassen lassen. „Das ist Integration ohne Alibi“, sagt Mazzone, der als Arzt die Leistungsfähigkeit autistischer Sportler erforscht und als Verbandsboss jetzt deren Marktwert erhöht.
Die Zahlen sind laut genug: 15 Vereine, 60 athleten, 13-medizinisches Begleitteam, 0 Verletzte nach dem ersten Lauf. Finale in Mailand am 17. Mai, 2025 soll eine Voll-WM folgen. Und weil Sport & Salute, die Staatsagentur für Bewegung, die Rechnung bezahlt, ist das Projekt abgesichert bis 2026.

Dänemark gewinnt, italien gewinnt mehr
Im Showdown im Hotelkeller von Rom setzte sich Dänemark knapp gegen das Heimteam durch. Es gab Trost, Applaus, kein Mitleid. „Wir haben verloren, aber wir haben gelernt, dass Angst vor Kontakt kein Ausrededatum mehr ist“, sagte Susanna Gatti, autistische Degen-Fechterin aus Ancona. Ihr Gegner Malte Trier Moerch, selbst Nationaltrainer Dänemark, zog sich mit drei Platzwunden und einem breiten Grinsen ab: „Normalerweise spreche ich mit meinen Schützlingen über Taktik. Heute habe ich gelernt, dass Schweigen auch eine Taktik sein kann.“
Bebe Vio, Italiens Paralympic-Ikone, kündigte überraschend ihren Rückzug aus dem Fechten an – und verlangte sofort 100-Meter-Starterlaubnis. Der Raum kicherte, doch Mazzone nahm es ernst: „Wenn Bebe sprintet, hören alle auf zu reden. Genau das brauchen wir: Sport, der aufhört, sich selbst zu wiederholen.“
Die internationale Presse spricht von „Sanfter Revolution“. Die Wirtschaft spricht von „neuer Zielgruppe“. Die athleten selbst sprechen von Montagstraining, das jetzt schon ausgebucht ist. Und weil die FIE beschlossen hat, das italienische Regelwerk weltweit einzuführen, bekommt jede Nationalmannschaft bis 2026 einen Inklusions-Coach. Die Nachfrage nach Säbeln mit Griffverkürzung ist bereits dreistellig gestiegen.
Die Botschaft ist unmissverständlich: Wer zählt, zählt mit. Und wer jetzt noch glaubt, Inklusion sei ein Randthema, verpasst den Start zu dem Turnier, das niemand mehr stoppen wird – nicht einmal der Autismus selbst.
