Italiens e-scooter-regeln explodieren: 400-euro-strafe und branchenweite revolte
Im Mai wird Italiens Stadtverkehr härter: Ab dem 16.5. drohen bis zu 400 Euro Strafe, wer ohne Nummernschild und Haftpflichtversicherung über den Asphalt rollt. Die Betreiber sprechen von einer versteckten Steuer, die ihre Bilanz sprengt.
Warum das schildchen 33 euro kostet und der zorn der anbieter
Der offizielle Preis für das „targhino“ beträgt 8,66 Euro. Doch nach Gebühren und Steuern zahlt der Endkunde 33 Euro – ein Aufschlag von über 300 %. Luigi Licchelli, Präsident des Branchenverbands Assosharing, rechnet vor: „So etwas gibt es in ganz Europa nicht. Das ist keine Sicherheitsmaßnahme, sondern eine versteckte Abgabe.“
Die Kaskade trifft nicht nur Privatleute. Sharing-Firmen müssen ihre Flotten komplett neu anmelden. Pro Operator fallen nach ersten Schätzungen mehrere hunderttausend Euro an – das entspricht rund fünf Prozent des Jahresumsatzes. Die Branche fordert ein sofortiges Treffen mit der Regierung.

Die versicherungsfalle: auto-police auf 300-euro-scooter
Wer glaubt, mit einer Mini-Prämie davonzukommen, irrt. Die vorgeschriebene Kfz-Haftpflicht klettert für ein 300-Euro-Modell auf über 100 Euro im Jahr, weil sie auf Fahrzeugen und nicht auf Personen basiert. Falscher Baum, sagt Licchelli: „Der Schaden entsteht durch den Fahrer, nicht durch den Scooter. Die Lösung heißt individuelle Unfallversicherung, nicht Autopolice.“
Die neue Regelung verlangt zudem, dass das Schild direkt mit der Steuernummer des Besitzers verknüpft ist – ein Novum in Italien. Weil E-Scooter keine Fahrgestellnummer besitzen, entsteht eine Personen-Targa, die Polizei kann sofort den Halter ausmachen.
Wie man das schild beantragt – und was jetzt droht
Ab sofort öffnet das Portal dell’Automobilista die Online-Antragsstrecke. Voraussetzung: SPID oder elektronischer Personalausweis. Jugendliche ab 14 Jahren dürfen mitwirken, müssen sich aber vom Erziehungsberechtigten eintragen lassen. Termin für Abholung: bei der Motorizzazione oder einer zugelassenen Beratungsstelle. Wer bis zum Stichtag ohne Kennzeichen erwischt wird, zahlt zwischen 100 und 400 Euro – und das Bußgeld ist nur der Anfang. Die Behörden kündigen flächendeckende Kontrollen an.
Die Branche zittert. Für viele kleine Anbieter bedeutet der Mehrkosten-Blitz das Aus. Und die User? Sie merken, dass die Freiheit, einfach loszuradeln, ein teurer Spaß wird. Die Straße gehört bald nur noch denen, die bereit sind, doppelt und dreifach zu zahlen.
