Italienischer fußball-skandal: neue namen im visier der ermittler
Der italienische Fußball steht erneut im Fokus eines Korruptionsskandals. Die Ermittlungen um den ehemaligen Schiedsrichterboss Rocchi haben eine neue Phase eingeläutet, in der nun auch Personen außerhalb des direkten Schiedsrichterkreises ins Visier geraten. Riccardo Pinzani und Andrea Butti, zwei Schlüsselpersonen im italienischen Fußballverband, wurden kürzlich von den Ermittlern befragt – ein deutliches Zeichen dafür, dass die Behörden die Verbindungen zwischen Schiedsrichtern und Vereinen genauer unter die Lupe nehmen.
Pinzani: die schnittstelle zwischen a.i.a. und den vereinen
Riccardo Pinzani, derzeit Referee Manager bei Lazio Rom, spielte in der Saison 2024-25 eine zentrale Rolle als Ansprechpartner zwischen der A.I.A. (Associazione Italiana Arbitri) und den Fußballvereinen. Seine Aufgabe war es, die Anliegen der Vereine an Rocchi weiterzuleiten und umgekehrt. Die zahlreichen abgefangenen Telefongespräche zwischen Pinzani und dem ehemaligen Schiedsrichterdesignator deuten auf eine enge Zusammenarbeit hin, die nun von den Ermittlern genauestens analysiert wird. Es gilt herauszufinden, ob von Vereinsseite Forderungen gestellt und von Rocchi erfüllt wurden – ein möglicher Indikator für unzulässigen Einflussnahme.

Butti: kontaktmann für wettbewerbe und supercoppa
Auch Andrea Butti, ehemaliger Verantwortlicher für Wettbewerbe, stand im Fokus der Ermittlungen. Seine Rolle umfasste die Koordination mit Rocchi bei der Organisation der Supercoppa Italiana in Saudi-Arabien, insbesondere bei der Visumsprozedur für die Schiedsrichter. Darüber hinaus fungierte Butti als Ansprechpartner für die Vereine bei Unmut oder Beschwerden, was weitere potenzielle Ermittlungsansätze eröffnen könnte. Die Gespräche zwischen Rocchi und Butti, die von den Ermittlern abgefangen wurden, könnten Aufschluss über die Ausmaße der Einflussnahme geben.
Die Ermittlungen konzentrieren sich nun darauf, die Grenze zwischen etablierten Praktiken und unzulässiger Einflussnahme zu definieren. Wo beginnt die sportliche Beeinflussung und wo wird sie zur Sportkorruption? Die neuen Vernehmungen von Schenone und anderen Referee Managern sollen hier Licht ins Dunkel bringen. Die Prokuratur scheint zudem auch Journalisten und Mitarbeiter des VAR-Technologieanbieters zu befragen, was die Dimensionen des Skandals noch einmal unterstreicht.
Die Veröffentlichung der abgehörten Gespräche, insbesondere die Bemerkung Rocchis „Loro non lo vogliono più vedere“ (Sie wollen ihn nicht mehr sehen) im Zusammenhang mit der Schiedsrichterbestellung von Doveri und der Unzufriedenheit der Inter, verdeutlicht die Brisanz der Lage. Die italienische Fußballöffentlichkeit hält den Atem an, während die Ermittlungen weitergehen und weitere Details ans Licht kommen.
Die Frage, die sich nun stellt, ist nicht, ob dieser Skandal ein Einzelfall ist, sondern ob er ein Symptom eines tieferliegenden Problems im italienischen Fußball darstellt.
