Italien schreibt biathlon-geschichte: 33 podeste in einer saison
Zehn Siege, 23 Podestplätze – die italienische Biathlon-Equipe hat in der Saison 2023/24 nicht nur Olympia-Gastgeber-Punkte gesammelt, sondern ein nationales Rekordbuch aufgeblättert, das es so noch nie gab.
Vittozzi führt, giacomel folgt
Lisa Vittozzi lief achtmal als Einzelstarterin aufs Treppchen, Tommaso Giacomel sechsmal. Die Zahlen wirken nüchtern, doch wer die Anfang-März-Weltcup-Finals in Oslo verfolgte, sah, wie Vittozzi nach dem Massenstart-Sieg mit erhobenen Armen durch die Zielgerade glitt – und sich selbst übertraf. Giacomel wiederum jagte in der Verfolgung mit der Startnummer 13 die Favoriten, bis nur noch Boe und Loginov vor ihm lagen. Drei Sekunden fehlten auf den zweiten Platz, doch der 24-Jährige nahm trotzdem das Gelb der Leuchtstoffbahn mit nach Hause: Sein Name stand fortan in jeder europäischen Sport-Gazette.
Dorothea Wierer, die seit 2011 für das Azzurri-Trikot streitet, schraubte ihre persönliche Bilanz auf drei Podeste. Klingt bescheiden, ist aber ein Statement: Die Südtirolerin bewies, dass Erfahrung in der heutigen Speed-Schiess-Ära nicht verstaubt, sondern zielsicher macht.

Staffelglanz statt einzelgänger
Die Mixed-Staffel holte viermal Edelmetall, die Damen-Staffel zweimal. Besonders bitter: In Antholz musste die Herren-Staffel nach zwei Strafrunden mit Rang sieben Vorlieb nehmen – direkt vor heimischem Publikum. Lukas Hofer, der Altmeister, zog daraus keine Dramen: „Wir haben die Saison als Team abgeschlossen, nicht als Egos. Jeder bringt seine Runden ein, und am Ende steht eine Zahl: 33 Podeste. Das ist unsere Antwort auf alle, die Italien nur als Dauer-Außenseiter sehen.“
Die Geschosse flogen 0,7 Sekunden schneller als im Vorjahr, die Skating-Gehsätze lagen durchschnittlich bei 2,2 km/h über dem Weltcup-Schnitt. Daten, die das Team um Mentalcoach Paolo De Stefano in kleine, gelbe Notizbücher kritzelte – und die in der nächsten Saison Schneeflocken für Schneeflocke auflösen will.
Ein Olympia-Jahr mit Heimvorteil kann Trugbilder erzeugen. Die Azzurri haben die Illusionen abgestreift und sich stattdessen eine goldene Weste aus Statistiken zugelegt. Wer jetzt noch von einer „krankhaften Lauf-Sekunde“ oder einem „ungezielten Schiess-Fehler“ spricht, verpasst, dass Italiens Biathleten längst die Geschwindigkeit der Gedanken mit der Präzision der Herzen vereint haben. Saisonende? Nein, Startschuss.
