Raab und herbig knallen 23 jahre alte penterscheidung an die latte
Stefan Raab und Michael „Bully“ Herbig verschaffen der Nation am Freitag einen Schlaganfall, der so schön ist wie ein Freistoß von Mesut Özil in den Winkel. 23 Jahre nach dem legendären Bayern-Dortmund-Knaller liefern sie zurück – diesmal als Kommentatoren-Doppelpack im Länderspiel gegen die Schweiz. RTL+ und YouTube übertragen den Spaß ab 20.30 Uhr live, ungeschnitten und mit dem Versprechen, dass selbst Jogi Löw seine Keksdose vergisst.
Warum genau jetzt der querschnittsgelähmte fußballhumor wiederaufersteht
Das letzte gemeinsame Mikro der beiden datiert auf den 9. November 2002. Bayern gegen Dortmund, Torhymnen statt Stadiongesänge, und eine Fangemeinde, die sich fragte, ob das Satire oder einfach nur zwei Verwirrte mit Headset waren. Die Antwort liegt heute in der Quote: über fünf Millionen schalteten ein, danach wurde es still. Zu still für ein Duo, das sich nie um Regeln scherte. RTL holt sie nun aus dem Kühlschrank, weil der klassische Kommentar in Zeiten von TikTok wie ein Schwarz-Weiß-Fernseher wirkt: funktional, aber langweilig.
Die reguläre Linie fährt nebenher weiter. Laura Wontorra steuert durch die Hauptsendung, Lothar Matthäus liefert Pathos, Edin Terzic liefert Taktik, Wolff-Christoph Fuss liefert Lautstärke. Doch die Zahlen werden sich am Ende fragen, wer mehr Ohrkriege verursacht hat: der EM-Experte oder der Quatschmacher mit Kultstatus. Die Wette: Raab und Herbig ziehen nach 15 Minuten mehr Interaktion als das Hauptprogramm nach 90.

So funktioniert der parallel-stream im kopf der fans
Wer sich für die kostenpflichtige Variante entscheidet, bekommt ein Fußball-Talk-Roulette: Zwischen Einwürfen analysiert Herbig, wie Granit Xhaka wohl aussähe, wenn man ihn auf 1,50 m schrumpfen würde. Raab kontert mit der Theorie, dass die Schweizer Nationalmannschaft nur deshalb so diszipliniert spielt, weil sie aus Käse fondue-geboren wurde. Zwischen den Sequenzen schalten sie zurück ins Stadion, wenn das Spiel es verlangt – oder wenn ein Tor fällt und sie gerade eine Wette darüber laufen haben, ob Ter Stegen mit oder ohne Handschuhe trinkt.
RTL sicherte sich zusätzlich die Rechte für drei weitere DFB-Spiele in der Nations League. Am 24. September geht’s nach Amsterdam, am 4. Oktober nach Athen, am 13. November nach Belgrad. ARD und ZDF dürfen sich den Rest unter den Nagel reißen – ein Sechs-Punkte-Plan, der den öffentlich-rechtlichen Sendern die Resthelligkeit lässt. Die Message ist klar: Wer junge Zielgruppen locken will, muss quatschen, nicht belehren.
Am Ende des Abends steht eine Zahl, die lauter ist als jedes „SCHUUULZ“ vom Nockherberg: die Abrufe auf YouTube. Wenn die 500.000-Marke fällt, hat der Spaß gesiegt. Dann wird nicht mehr gefragt, ob Fußball sich selbst ernst nehmen muss. Dann wird nur noch gefragt, wie schnell Raab und Herbig das nächste Spiel verhunzen können. Die Antwort liegt in der Hand von RTL – und in der Lust zweier Entertainer, die beweisen, dass man auch mit 50 noch Kind sein darf, solange der Ball rollt und das Mikro heiß ist.
