Inter-stars zittern um form – nur esposito glänzt mit zwei toren
Mailand zittert. Die Inter-Selecao trägt Fratzen, keine Medaillen. Drei Spiele, zwei Zähler – und jetzt sollen Bastoni, Barella & Co. die Nationalelf retten.

Warum gattuso jetzt auf esposito setzt
Der Plan war klar: Rino Gattuso baut auf die erprobten Säulen aus Appiano. Doch genau diese Spieler liefern aktuell Risse statt Ruhe. Alessandro Bastoni fehlt nach einem Schlag auf die Tibia gegen Atalanta und Florenz – 35 Einsätze, 2 Tore, 6 Vorlagen lesen sich gut, doch die letzten Auftritte schmeckten nach Bodo-Glimt-Chaos und Derby-Pfiffen. Sein linker Fuß ist zurzeit ein Fragezeichen.
Nicolò Barella liefert sich selbst ein Mikro-Hoch und Tief. Sieben Assists in Serie A, aber jener Querschläger gegen Fiorentina war der Startschuss zum 1:1 durch Ndour. Die Vorstellung war seine beste des Jahres – bis zur 78. Minute. Danach hieß es: „Grazie, Nico – für nichts.“
Federico Dimarco? Fünfzehn Vorlagen lassen ihn bis dato zum Top-Assistgeber der Liga werden, drei Spiele aber unter Normalnull. Die Beine zittern, die Flanke sitzt nicht mehr. Rekordzahlen hin, Rekordtief her.
Und Davide Frattesi? 498 Minuten in dieser Saison, kein Tor, kein Durchbruch. In Simone Inzaghis System ein Fremdkörper, bei Gattuso nur Joker. Die Uhr tickt, der Marktwert schwankt.
Da schießt Pio Esposito. Neun Tore, sechs Vorlagen, 1.889 Minuten – und in den letzten beiden Partien der Treffer zur späten Rettung. Der 21-Jährige war Chivus Wunschkind, wurde gegen den Widerstand einiger Bosse mit zum Klub-WM-Ticket genommen. Jetzt ist er die einzige Kerze im Sturmregen der Nerazzurri. Für Gattuso ein Glücksfall: Im Play-off gegen Nordirland braucht Italien Tore, Esposito hat das Gefühl dafür.
Derweil schmilzt Marcus Thuram dahin. Der Franzose, sonst Dribbel-Motor der Mannschaft, hat seit fünf Spielen nicht mehr getroffen. Die Gegner haben das Rezept gelesen: Körperlich pressen, Räume eng machen, Thuram lahmen. Ohne Dampf vorne wirkt das Mittelfeld wie ein offenes Rad.
Die Zahlen sind hart: Zwei Punkte aus drei Partien, das ist Abstiegsform – nur dass Inter noch Dritter ist. Die Meisterzone schrumpft auf drei Punkte, der Milan atmet auf. Die Champions-League-Trauma-Bilanz gegen Bodo Glimt nagt, die Kurve pfeift, die Twitter-Sphäre spuckt „siamo cotti“-Memes aus.
Für Gattuso heißt das: Er muss seine Stammkräfte ausgerechnet dann hochjagen, wenn deren Klub sie am meisten braucht. Der Zeitplan ist ein Spagat zwischen Nation und Nerazzurri. Der Gewinner heißt Esposito – momentan. Denn wenn er auch gegen Nordirland trifft, wird der Sturmplatz für Kean und Retegui eng. Die Karriere des Jungen ist auf Turbo, der Rest der Inter-Truppe sucht den Reset-Knopf.
Am Freitag in Bergamo entscheidet sich, ob Italiens WM-Traumeise startet – mit oder ohne die angeschlagenen Inter-Stars. Die einzige Gewissheit: Esposito wird dabei sein. Und wenn er weiterschlägt, könnte ausgerechnet dieser Shootingstar den Klub wieder in Schwung bringen, der ihn erfand. Ironie der Liga: Manchmal muss das Nationalteam kommen, damit der Verein wieder hochkommt.
