Italien scheitert wieder: elfmeter-krimi gegen bosnien versiebt die wm 2026

Ein Schritt nach vorn, drei WM-Turniere zurück. Italien verpasst durch ein 1:1 und 4:5 im Elfmeterschießen gegen Bosnien-Herzegowina die Endrunde 2026 – und rutscht in eine sportliche Bedeutungslosigkeit, die selbst das cynische Kalkül der Azzurri übertrifft.

Die Zahlen sind lauter als jedes «Forza Azzurri»: 2018, 2022, 2026 – drei Weltmeisterschaften in Folge ohne Italien. Das letzte Mal, als die Squadra noch in der Lage war, sich für ein WM-Turnier zu qualifizieren, trugen die Spieler noch keine Smart-Watches, sondern bloß Armbänder mit «Keep Pushing»-Armbändern. Das ist keine Negativserie mehr, das ist eine Epoche.

Der moment, als das pendel endgültig umschlug

15. Minute: Moise Kean trifft per Direktabnahme, Stadio Renzo Barbera tobt, die Logen trinken Proscco. 41. Minute: Alessandro Bastoni foult Edin Džeko als letzter Mann, Rot, Freistoß, Stimmung wie auf einem Beerdigungs-Sektempfang. 79. Minute: Haris Tabakovic köpft zum Ausgleich ein, und die italienische Seele bröckelt in Echtzeit. Die Verlängerung wird zur Zitterpartie, das Elfmeterschießen zur öffentlichen Folter. Francesco Pio Esposito schiebt flach links vorbei, Admir Gavranović verwandelt eiskalt. Fertig.

Was folgt, ist ein Land im Ausnahmezustand. In Bari fliegen schon vor dem Schlusspfiff Plastikbecher, in Rom brüllen Radiomoderatoren «Apokalypse» ins Mikro, und auf Twitter trendet innerhalb von Minuten «#GattusoOut». Die italienische Presse nimmt kein Blatt vor den Mund: «Gazzetta dello Sport» titelt «Die Apokalypse geht weiter», «Tuttosport»fordert«Jetzt müssen alle rausfliegen!» und «La Stampa» verdichtet das Drama auf ein Wort: «Desaster.»

Ein system versinkt – nicht nur eine mannschaft

Ein system versinkt – nicht nur eine mannschaft

Wehmut kennen Italiener, aber diese Art von Déjà-vu frisst Selbstvertrauen. Seit 2014, also zwölf Jahren, hat die Squadra keine WM-Partie mehr bestreiten dürfen. Die Generation von Baggio, Totti und Cannavaro ist Geschichte, die von Kean, Raspadori und Esposito steht vor einem Scherbenhaufen. Gennaro Gattuso, der mit der Biss-Attitüde einst selbst auf dem Rasen stand, wirkt auf der Presskonferenz plötzlich wie ein Mann, der vergessen hat, wie man beißt.

Die Bosnier hingegen feiern das größte Erfolgserlebnis ihrer noch jungen Fußballgeschichte. Edin Džeko, 39, führt seine Mannschaft als Spieler-Botschafter und lebende Legende nach 2014 erneur zur WM. Im Mixed-Zone sagt er mit einem Grinsen, das selbst italische Reporter nicht hassen können: «Wir hatten nichts zu verlieren – außer unseren Traum.»

Italiens Traum dagegen ist ein Albtraum geworden. Die FIFA-Weltrangliste wird den viermaligen Weltmeister nächste Woche weiter nach unten schicken, Sponsoren werden die Klingel erst einmal auf «Ruhe» stellen, und die Serie A befürchtet sinkende TV-Gelder, weil die internationalen Großereignisse ohne italische Beteiligung schlicht weniger Zuschauer locken. Das ist kein Sportlerpech, das ist ein ökonomischer Rückschlag mit Ansage.

Die nächste Chance, sich für eine WM zu qualifizieren, kommt erst 2030. Bis dahin wird Kean 30 sein, Esposito 26 – und Italien muss befürchten, dass ein ganzen Landstrich Fußballfans erwachsen wird, die nie erlebt haben, wie sich ihre Nation auf der größten Bühne bewegt. Die Apokalypse ist keine Metapher mehr, sie hat ein Datum: 1. April 2026. Und nein, das ist kein schlechter Scherz.