Iserlohn stoppt trainerkarussell: nyman bleibt – acht jahre chaos vorbei
Die Iserlohn Roosters haben den Stecker gezogen – nach acht Jahren Dauerbewegung an der Bande bleibt erstmals das gesamte Trainerteam zusammen. Chefcoach Stefan Nyman darf nach dem enttäuschenden Zwölftplatz der abgelaufenen DEL-Saison weitermachen, Sportdirektor Franz-David Fritzmeier bestätigte die Entscheidung am Freitagmorgen.
Die ruhe nach dem sturm
Die Zahl ist ein Schlag ins Gesicht: seit 2017 wechselten acht verschiedene Köpfe auf der Bank, keiner hielt länger als eine Spielzeit. Nun also der Bruch mit der Tradition – und ein bewusster Schritt zurück zur Kontinuität. „Wir haben in der Rückrunde gezeigt, dass wir ein Playoff-Team sein können“, sagt Nyman, der vor zwölf Monaten aus Schwenningen kam. Die Rede ist von 23 Punkten aus den letzten 17 Spielen, nur München und Berlin waren in dieser Phase besser.
Doch die Zahlen trügen. Die Roosters sammelten zwar Punkte, verpassten die Meisterrunde dennoch mit sieben Zügern. Das Heimrecht in der Eissporthalle Iserlohn wurde zur Falle: nur sieben Siege im eigenen Eis, das schlechteste Hausrecht der Liga. Fans pfiffen beim letzten Heimspiel gegen Krefeld sogar aus – unvorstellbar in der sonst so lauten Halle.

Fritzmeiers waghalsige wette
„Stabilität vor Schnellschüssen“, lautet das Motto des Sportdirektors. Fritzmeier weiß, dass er sich mit dem Verbleib von Nyman angreifbar macht. Der Schwede galt in der Szene als „Coach für den schnellen Erfolg“, nicht als Mann für eine langfristige Baustelle. Doch genau diese Baustelle will der Klub jetzt beackern: junge Spieler wie der 19-jährige Verteidiger Maximilian Glötzle sollen reifen, Altstar Mike Connolly (36) zur Identifikationsfigur werden.
Die Kasse stimmt: durch das frühe Aus in der Qualifikation spart der Klub rund 400.000 Euro an Playoff-Prämien – Geld, das jetzt in das Scouting fließt. Gejagt wird vor allem ein Center, der mehr als 50 Scorerpunkte bringt. Die letzte Saison bestätigte das Problem: mit 186 Treffern das schwächste Angriffsdrittel der Liga.
Am 1. Juli beginnt die Vorbereitung, dann wird Nyman erstmals ohne den Druck des Zwangs arbeiten können. Kein neuer Stab, keine neue Sprache, keine neue Philosophie. „Endlich können wir an Details statt an Grundlagen arbeiten“, sagt er. Die Fans sind zwiegespalten: die einen sehen die Chance auf den lang ersehnten Playoff-Rückkehr, die anderen fürchten das nächste Schlamassel.
Fakt ist: nach acht Jahren des Dauerfeuers bekommt Iserlohn nun die Chance, endlich wieder Kultur statt Chaos zu spielen. Ob Nyman dafür der richtige Mann ist, wird sich zeigen. Die Uhren im Sauerland ticken anders – zum ersten Mal seit langem nach vorne.
