Yakin lässt thuner topform links liegen – mit wm-ticket im hinterkopf
Murat Yakin schaut weg. Der Nati-Coach verzichtet für die Länderspiele gegen Deutschland und Norwegen vollständig auf Akteure des aktuellen Super-League-Überfliegers FC Thun – trotz Tabellenführung und spektakulärem Offensivfußball. Die Begründung: Rotation und Langzeitplanung. Die Ironie: Genau diese Thuner sollen im Sommer die Schweizer WM-Mannschaft verstärken.
Im fokus: imeri und meichtry
Kastriot Imeri spielt sich gerade in eine neue Dimension. Der 25-jährige Genfer, von Young Boys ausgeliehen, erinnert mit seinen Dribblings und diagonalen Bällen an die besten Tage von Valon Behrami. Yakin lässt ihn trotzdem daheim, um „junge Kräfte nicht zu überfrachten“. Gleiches gilt für Ethan Meichtry, 20, der als U21-EM-Quali-Linksverteidiger schon jetzt die Geschwindigkeit einer A-Nati fordert. Intern notiert das Trainerteam: Beide sind „Kandidaten für die definitive WM-Liste“.
Der Hintergrund ist kalte Taktik. Yakin will Spielern wie Granit Xhaka oder Manuel Akanji vor der Endrunde in Katar keinen zusätzlichen Konkurrenten liefern, ohne sich endgültig zu verbrennen. „Wenn Imeri im Mai weiter so auftrumpft, ist er dabei“, sagt ein Verbandinsider. „Aber bis dahin soll er in Thun Druck machen, nicht in der Nati-Blase versauern.“

Lustrinelli profitiert vom sturm
Mauro Lustrinelli, selbst früher Joggeli-Favorit, genießt die Situation. Sein Offensivkonzept – früher Ballgewinn, sofortige Vertikalität – passt wie ein Samuraischwert auf Imeris Talent. Klubpräsident Andres Gerber schmunzelt nur, wenn er gefragt wird, ob er mit der Nati-Sperre für seine Stars hadert: „Wir wollen den Jungs die WM, nicht nur zwei Testspiele.“ Die Thuner Fans feiern trotzdem: Denn wer in der Liga durchstartet, landet früher oder später auch in Yakins Kader.
Die Zahlen sprechen für sich: Imeri steht bei fünf Toren und acht Assists nach 13 Runden, Meichtry liefert 1,9 gewonnene Zweikämpfe pro 90 Minuten auf seiner Außenbahn. Beide Werte übersteigen den Schnitt der letzten Nati-Debütanten. Yakin mag sie jetzt nicht rufen – er weiß, dass sie nicht weglaufen.
