Isco steht wieder auf dem rasen – betis zittert trotzdem um den kapitän

Der Schritt kam über Nacht. Isco, vier Monate nach dem Horror-Foul von Amrabat in Sevilla, schnürte wieder die Stollen. Die Foto-Einzelaufnahme, die gestern das arabische Twitter-Konto @RealBetis_Arab veröffentlichte, zeigt ihn im Trainingstop, Ball an den Füßen – und löst sofort Jubelstürme in Beticos-Gruppen aus. Doch hinter dem Bild arbeitet die Vorsicht.

Von cartuja bis comeback: die unendliche geduld von betis

Der Zwischenfall in der UEFA Europa League gegen Utrecht war so schnell wie brutal. Isco kontrollierte mit dem Rücken zum Tor, Amrabat wollte nachsetzen – und traf statt dem Ball das Schienbein des Mannes, der das Mittelfeld seit Monaten dirigiert. Resultat: Doppel- Ausfall der Leistungsträger, Saisonplan zerfetzt. Amrabat ist längst zurück, aber der Captain? Keiner wagt eine Prognose. „Er macht Fortschritte, aber wir setzen keinen Termin“, lautet offiziell die Devise. Die medizinische Abteilung um Leibarzt Dr. José María de la Cuesta vermeidet jede Hektik, denn die Knochenbruch-Statistik spricht eine deutliche Sprache: Rezidive passieren meist, wenn der Spieler zu früh wieder in Gruppentraining einsteigt.

Genau deshalb trainiert Isco aktuell nur mit Fitnesstrainer Iván Amaya auf der Nebenwiese. Ballarbeit, Kurzpässe, Slalom – alles unter kiloweise Bandagen. Die Belastung steigt täglich um fünf Prozent, das Laufband zeigt Herzfrequenzen von maximal 150 Schlägen. „Sobald er sich den Gruppen-Drill stellt, braucht er mindestens zehn Tage, um Spielrhythmus zu tanken“, erklärte Manuel Pellegrini vor dem Getafe-Spiel im Coliseum. Die Rechnung ist simpel: Wer Mitte Mai in die Kader-Listen soll, muss spätestens Anfang Mai mit der Mannschaft rennen. Der Kalender zeigt: noch zwei Wochen.

Pellegrini rechnet nicht vor der länderspielpause

Pellegrini rechnet nicht vor der länderspielpause

Die Liga-Zeitlinie ist gnadenlos. Nach der Runde in Madrid warten Heimspiele gegen Cádiz und Rayo, dann folgt der Endspurt mit dem Seville-Derbi. Für Betis geht es um Europa, für Isco um den zweiten Frühling seiner Karriere. Der Vertrag läuft 2025 aus, sportliche Relevanz ist sein Kapital. Die Kabine spürt die Anspannung. Claudio Bravo schickte ihm nach der Einheit ein Whatsapp-Sprachmemo: „Wir brauchen dich, aber nur zu 100 %.“ Die Antwort: ein Daumen-Emoji und ein Video, in dem er mit dem schweren Medizinball dribbelt – 30 Sekunden, die intern viral gingen.

Der Klub verfolgt ein klares Protokoll: individuelles Aufbautraining, Aquajogging, Reaktionssprints – alles dokumentiert in einer Excel-Tabelle, die täglich an die sportliche Leitung geht. Keine offiziellen Statements, keine Show. Betis will vermeiden, dass die Erwartungen den Spieler erdrücken. Denn wer sich in Andalusien verletzt, wird zur Ikone – aber eben auch zum Zeitungsfutter. Die Presseabteilung rief deshalb alle Redaktionen an: „Bitte keine Live-Berichte vom Trainingsgelände.“

Dennoch sickert jede Detail-Info durch. Fitnesscoach Amaya ließ durchklingen, dass Isco am Mittwoch erstmals wieder Kurvenläufe absolvierte – 8-mal 60 Meter, Schnitt 7,2 Sekunden. Das ist Profi-Niveau, aber noch kein Match-Tempo. Die Stoppuhr entscheidet, nicht das Herz. Und das weiß auch Isco, der sich nach jeder Einheit selbst mit Eis und Kompressions-Strümpfen versorgt, um Schwellungen vorzubeugen. „Er ist der erste, der rausgeht und der letzte, der duschen geht“, sagte Sturmpartner Borja Iglesias. Respekt statt Eile.

Real Betis steht vor der Quadratur des Kreises: ohne Isco fehlt die Kreativität im letzten Drittel, mit halbfitrem Isco droht erneuter Rückschlag. Die medizinische Abteilung hat intern den 20. Mai markiert – letzter Spieltag, Heimspiel gegen Valencia. Alles andere wäre ein Wagnis. Und Risiken vermeidet der Verein seit dem Desaster von Cartuja. Die Fans zählen die Tage, der Captain zählt die Sprints. Noch ist das Foto nur ein Schnappschuss. Aber es ist der Beweis: Der Weg zurück hat begonnen – Stück für Stück, Schritt für Schritt.